Architektur
Entstehung und Architektur
des Pfarrzentrums in Waldram
Mit dem Neubau der Kirche, dem wichtigsten Baustein eines Pfarrzentrums, erhält die in den dreißiger Jahren gegründete Siedlung Waldram eine städtebauliche Mitte in der vorwiegend aus Reihen- und Einfamilienhäusern geprägten Struktur.
Bereits
in den siebziger Jahren wurde mit der Errichtung des Pfarrheimes und der
Hausmeisterwohnung, entworfen von Prof. Wiedemann, ein Anfang im östlichen
Grundstücksteil an der Steinstraße gesetzt. Der Standort für Kirche und
Kindergarten war damals ebenfalls in der abseitigen Lage geplant. Die
Ausrichtung des Pfarrzentrums unmittelbar zur Steinstraße hin erschien uns
jedoch notwendig, um eine Ortsmitte zu schaffen, die durch den weithin
sichtbaren Turm auf sich aufmerksam macht.
Die drei Baukörper: Pfarrhaus, Kirche und Turm umschließen einen fast quadratischen Platz, der als Ort der Gemeinschaft und Begegnung für die Waldramer Bürger Bedeutung finden könnte.
Die Bauformen sind stereometrisch einfache Körper mit Sattel- und Pultdächern. Lediglich seiner Bedeutung entsprechend erhält der als quadratischer Zentralraum konzipierte Kirchenraum eine logisch entwickelte Sonderform:
Acht oktogonal gestellte Holzstützen tragen von der massiven Umfassungswand losgelöst ein auskragendes schwebend erscheinendes Dachtragwerk aus Holz.
Gestalterisch wird immer wieder Bezug genommen auf die örtliche Bautradition, die Eigenart und das Typische der Umgebung. Gesucht wird nach einer Analogie zu Material, Form, Maßstab, um daraus eine zeitgemäße Interpretation zu finden. Die verputzten Lochfassaden mit gegliederten Holzfenstern, die knappen Traufen und Ortgänge, die steile Dachneigung beim Pfarrhaus, sind Anleihen beim Typus des Waldramer Siedlungsbaues und bezeugen eine gewisse Behäbigkeit, die beim Neubau durch disziplinierte Detail-Ausbildung verfeinert wird.
Im Gegensatz dazu steht der Baukörper der Kirche, der Leichtigkeit vermittelt, mit der skelettartigen Holzkonstruktion, den weit auskragenden Vordächern, den durch horizontalen Glasbändern getrennten Wand- und Dachflächen, den großflächigen Verglasungen der Eingangshalle.
Er grenzt sich entsprechend seiner Nutzung vom Typ des Wohnhauses ab, doch durch Proportionen und Maßstäblichkeit im Detail wird der Zusammenhang zur Gesamtanlage nicht verloren.
Die
unter die Tragkonstruktion gestellten geputzten Massivwände mit den gegliederten
Fensterflächen sind Symbol für die introvertierte Nutzung: sei es der sakrale
Raum oder die Sakristei als Vorbereitungsbereich.
Glas mit Transparenz steht für Offenheit in der Eingangshalle als Übergangszone zwischen profanem und sakralem Ort.
Die schon mehrmals diskutierte Abweichung von der ortsüblichen Ziegeldeckung durch Blechdächer ist bewusst eingesetzt. Damit wird das Pfarrzentrum gestalterisch zur Einheit und zugleich der andersartigen Nutzung Ausdruck verliehen.
Auch im Innenbereich selbst wird die Wahl des Materials, sein variierter Einsatz, Informant über Bedeutung und Inhalt.
Im sakralen Bereich des Kirchenraumes findet eine reduzierte archaische Architektursprache Anwendung, um dem Raum Ruhe zu geben und die Ablenkung vom Wesentlichen zu vermeiden.
Wände
und Böden sind mit groben handgeschlagenen Sichtziegeln verkleidet oder belegt.
Im Gegensatz dazu steht die edle Verwendung von Stahl und Naturstein bei Altar
und Ambo und die künstlerisch gestalteten Gläser der Wandschlitze, die in
präziser Einfachheit und Disziplin im Detail ausgeführt sind. Durch das in
seiner Geometrie parabelförmig angeordnete Gestühl um die liturgische Mitte der
Altarinsel wird die gemeinschaftsbildende Idee konkretisiert. Die aus Holz und
Stahl konstruierte Orgel- und Sängerempore, in ihrer Form und Proportion einem
eingestellten Möbel gleichend, definiert räumlich die Vor- bzw. Ausgangszone vom
profanen zum sakralen Bereich.
Vertikale, verglaste Mauerschlitze leiten visuell zur Werktagskapelle über, die in ihrer Gestaltung, Materialwahl und Farbigkeit, (weiß geputzte Wandflächen, Decken und Fußböden aus Holz), eine eher kontrastierende Haltung vermittelt, ohne die meditative, kontemplative Atmosphäre als Ort der Marienverehrung zu verlieren. Das Gestühl in Form von Einzelstühlen lässt den Weg für verschiedenartige Begegnungen offen.
Nach etwa 2 Jahren Bauzeit wurde aus Gedanken Wirklichkeit, der Turm des Glockenträgers ist aufgrund seiner Höhenentwicklung und vertikalen Dimension ein Kennzeichen für Waldram. Durch den im Erdgeschoß integrierten Ausstellungsraum mit Exponaten der alten Kirche werden die Erinnerungen an den Beginn der Waldramer Gemeinde stets wach gehalten, als eine Verbindung und Überleitung einer jungen Tradition in die Gegenwart. Wir wünschen der Waldramer Kirchengemeinde eine gesegnete Zukunft.
Die Architekten
Claus + Forster
Zum Seitenanfang .