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Bibel Info
Lebendige Bibel
Das Wort Gottes begleitet uns im Alltag
Durch die Texte soll ein neuer
Zugang zur Bibel erreicht oder einfach nur Interesse am Bibellesen geweckt
werden.
Mit Text 35 wird die Aktion "Lebendige Bibel" vorerst
beendet.
Zum Drucken oder Speichern der kompletten Bibel-Info als PDF-Dokument
hier klicken.
Fragen, Wünsche und Anregungen bitte in den
Briefkasten des Pfarramts
oder als E-Mail an:
st-josef-der-arbeiter.waldram@erzbistum-muenchen.de
Bitte auf den entsprechenden Knopf klicken, um direkt zum jeweiligen Beitrag zu gelangen:
Was bedeutet das Wort „Bibel“?
Kanon - oder: Warum nur diese Texte
und keine anderen?
Die Einteilung der Bibel in Kapitel und Verse
Es gibt viele Gründe, Gott zu danken
Gott, ein oft mißbrauchtes Wort
Die Neue-Welt-Übersetzung der Zeugen Jehovas
Wozu brauchen wir Christen das Alte Testament?
Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde
Lebendige Bibel: Shema' Jisra'el
Irrtümer der Bibel -
Die neuzeitlichen
Naturwissenschaften und das AT
Geschichtsschreibung der Bibel – objektiv oder eine
Glaubensaussage ?
Gottes Verheißung an Abraham - die Landverheißung
Ein Ausschnitt aus der Geschichte Israels:
Saul, der erste König
David, eine geschichtliche Persönlichkeit
Der Glaube an eine Gerechtigkeit
Rache, nach der Bibel betrachtet
Die Bibel - einmal statistisch betrachtet
Einführung
2003, das ökumenische Jahr der Bibel, mit zahlreichen Veranstaltungen auch in unserer Pfarrei, ist zu Ende gegangen. Es sollte ein Anstoß sein, sich auch weiterhin mit diesem Urdokument unseres Glaubens zu beschäftigen. Wir möchten Ihnen als Hilfe Informationen rund um die Bibel bieten. Sollten Sie Fragen zur Bibel haben, lassen Sie es uns wissen: Zettel in den Briefkasten des Pfarrbüros oder per e-mail an st-josef-der-arbeiter.waldram@erzbistum-muenchen.de .
Wir, ein Team des Pfarrgemeinderates, werden uns um Antwort
bemühen. Lassen Sie uns aber auch an Ihrer Beschäftigung mit der Bibel
teilhaben. Teilen Sie uns mit, welcher Satz, welches Buch der Bibel Sie
besonders beeindruckt, damit wir auf diesem Weg auch andere
Menschen auf Ihre
Entdeckung aufmerksam machen können.
Die Bibel ist für die Juden eine autoritative Sammlung
heiliger Schriften in hebräischer Sprache, zu der die Tora (die fünf Bücher Mose),
Prophetenbücher und andere Texte gehören. Von den Juden der hellenistischen
Diaspora wurde sie schon in vorchristlicher Zeit ins Griechische übersetzt und
durch weitere Schriften ergänzt (Septuaginta). In dieser Gestalt ist sie von der
frühen Christenheit übernommen und durch das Neue Testament ergänzt worden.
In der Bibel geht es um die Erfahrungen, die das Volk Israel,
beziehungsweise die christliche Gemeinde, mit dem Handeln Gottes gemacht hat.
Die Gemeinde versteht die mit Jesus Christus gemachten Erfahrungen im Lichte des
Alten Testaments, während sie diese wiederum im Lichte der Christuserfahrung
liest. Die so verstandene Bibel wurde die bleibende Grundlage der christlichen
Kirche.
Die Bibel verbindet mit dem Blick in die Vergangenheit eine
Intention, die auf die Gegenwart und Zukunft gerichtet ist. Damit sie nicht ein
Mausoleum der Religion, ein Denkmal dafür ist, dass ein großer Geist da war, der
nicht mehr ist (Friedrich Schleiermacher), müssen ihre Aussagen in Wort und Tat
umgesetzt werden, das allerdings mit dem Wissen, dass auch in ihr
unterschiedliche Konzepte miteinander ringen. Als Auslegungshilfen dienen
Bekenntnisse, Traditionen, Dogmen, die allerdings immer wieder der Überprüfung
durch die Bibel bedürfen.
Wir werden in der Bibel
gerade so viel finden,
als wir suchen:
Großes und Göttliches,
wenn wir Großes und Göttliches suchen;
Wichtiges und Historisches,
wenn wir Wichtiges und Historisches suchen;
überhaupt nichts,
wenn wir überhaupt nichts suchen.
Karl Barth
Das Wort „Bibel“ stammt aus der griechischen Sprache. biblia / bibloz (Biblia / Biblos) meint ursprünglich ein beschriebenes Blatt, eine Buchrolle. Es erinnert an die phönizische Stadt Byblos, 30km nördlich von Beirut entfernt. Über das Lateinische „biblia / bibliorum“, als Singular „biblia“ ist es sicher seit dem 12. Jahrhundert, wahrscheinlich schon im 9. Jahrhundert in Gebrauch und danach in allen modernen Sprachen. Bibel ist der Name für die Gesamtheit der im Kanon des Alten und Neuen Testaments zusammengefaßten Schriften. Die Bezeichnung „Heilige Schrift“ oder nur „Schrift(en)“ kommt schon in ihr selbst vor und meint zunächst das Alte Testament (Joh 2,22; Gal 3,22; 1 Petr 2,6) und kennzeichnet deren einzigartige, überragende Bedeutung auf Grund ihres göttlich - menschlichen Ursprungs wie ihrer Bestimmung als Glaubensquelle. Die Bezeichnung „Die Schrift“ betont die Einheit, „Die Schriften“ die Vielheit. „Heilig“ ist / sind diese Schrift / Schriften insofern, als sie es wesentlich mit Gott zu tun haben.
Das Wort „Testament“ ist irreführend. Es hat nichts mit einem Erblasser zu tun, nichts mit einem „Letzten Willen“, es ist die Übersetzung des Hebräischen „berit = Bund; Verfügung“ ins Griechische „diatheke = Verfügung; Testament“ und wieder ins Lateinische: „testamentum“. Wir sollten besser sagen der „Erste Bund“, gemeint ist der Sinai-Bund (Ex 19,3 ff), nicht der Noah- (Gen 9,8 ff) oder Abrahamsbund (Gen 15) und der „Neue Bund“ im Abendmahl Jesu (vgl. Lk 14,22 ff) gestiftet. Auch „Alt“ und „Neu“ sind keine recht glücklichen Begriffe, der alte ist durch den neuen nicht abgelöst, der neue nur vom alten her zu verstehen.
Viele haben sich daher die Redeweise „Erster Bund“ und „Zweiter Bund“ oder „Erstes und Zweites Testament“ angewöhnt, dennoch bleiben die Abkürzungen AT und NT.
Literatur:
Alfred Läpple: Die Bibel – heute / Wenn Steine und Dokumente reden,
ISBN 3 – 87
– 501003 – 5
Kleines Stuttgarter Bibel – Lexikon, ISBN 3 – 460 – 30053 - 1
Das Wort „Kanon“ (vom hebr. „qané“ = Rohr, Maßstab, vgl. unser „Meter“-maß) bedeutet Maß, Maßstab, Norm. (Die Redensart: „Das ist unter aller Kanone!“ ist eine Verballhornung des „sub omnes canones“, „Das ist unter jeder Norm / unter jedem Maßstab“). In unserem Zusammenhang meint Kanon die Summe aller Schriften / Bücher, die für eine Glaubensgemeinschaft konstitutiv (wesentlich) sind. Demzufolge gibt es z.B. für die jüdische, katholische (und orthodoxe) und protestantische Glaubensgemeinschaft einen jeweils verschiedenen Kanon, d.h. Einteilung und Umfang weichen voneinander ab.
Der Kanon der hebräischen
Bibel ist dreigeteilt:
Gesetz (Tora)
Propheten (Nebi‘im)
Schriften (Ketubim)
Nach dem Anfangsbuchstaben der einzelnen Teile wird die gesamte Schrift „TaNaK“ (sprich: tanách) genannt. Nach einer jüdischen Tradition enthält der TANAK 22 Bücher (das hebräische Alphabet kennt 22 Buchstaben; zu beachten ist der Symbolwert der Zahlen).
Der hebräische Kanon enthält
(unserem gegenüber) einige Bücher nicht:
Baruch
Judit
Tobit
Weisheit
Jesus Sirach
1/2 Makkabäer
Zusätze zu Buch Daniel und Buch Ester
Die eben aufgezählten Bücher fehlen auch in den protestantischen Bibelausgaben, da sie Martin Luther bei seiner Bibelübersetzung nicht als kanonisch erachtete (Luther beruft sich auf die „veritas Hebraeica“, d.h. wahr und echt ist nur das Ursprüngliche, also das Hebräische). Er nennt die Bücher „apokryph“ (verborgen), sie sind nicht für den öffentlichen Gebrauch bestimmt.
Wir bezeichnen diese Bücher als „deuterokanonisch“, was lediglich eine Unterscheidung, aber keine Wertung bedeutet.
Im katholischen Bereich verwendet man die Bezeichnung „apokryph“ für die religiöse Literatur um die Zeitenwende außerhalb der Bibel (z.B. Äthiopischer Henoch, Buch der Jubiläen, Thomasevangelium, Jakobusevangelium ...).
Für die katholische Glaubensgemeinschaft gelten alle oben genannten Schriften als kanonisch, d.h. als „Wort Gottes“ und folglich als unaufgebbare Norm des Glaubens und Lebens. Die orthodoxe Kirche hat denselben Kanon wie die katholische, rechnet darüber hinaus aber noch Esra I und das 3. Makkabäerbuch dazu.
Die Frage, warum nur diese Texte als kanonisch gelten, andere hingegen nicht (Kanongeschichte), ist kaum eindeutig zu beantworten. Feststellen lässt sich, dass der hebräische Kanon als ganzer gegen Ende des 1. Jh. n.Chr. definitiv festlag, dass der neutestamentliche um 200 mit wenigen Ausnahmen ebenso feststand (Zeugnisse der Kirchenväter, durch das sog. Muratorische Fragment, welches wahrscheinlich vor 200 in Rom entstanden ist - 1740 von einem Gelehrten namens Muratori in Mailand entdeckt). Der volle Kanon des NT dürfte Mitte / Ende des 4. Jh. n. Chr. feststehen. Die Kanonfrage wurde erst wieder durch M. Luther aufgerollt, der bestimmte Schriften des Alten Testaments nicht anerkannte und einige aus dem Neuen Testament eliminieren wollte. Dagegen definierte das Konzil von Trient im Jahre 1546 feierlich den Bibelkanon der katholischen Kirche.
Literatur:
G. Maier (Hrsg.): Der Kanon
der Bibel, Giessen - Basel - Wuppertal 1990.
B. Metzger: Der Kanon des
Neuen Testaments, Entstehung, Entwicklung, Bedeutung. Düsseldorf 1993.
Bibel - Übersetzungen
Die Bücher des Alten Testaments wurden in Hebräisch (einige späte Teile in Aramäisch), die des Neuen Testaments in Griechisch geschrieben. Um die Bibel auch den Menschen anderer Sprachen zugänglich zu machen, ist sie schon in früher Zeit übersetzt worden. Bis heute wird sie immer neu - und in immer neue Sprachen - übersetzt (im Jahr 2000 waren es über 2000 Sprachen).
Die Ursprachen der Bibel sind seit vielen Jahrhunderten ausgestorben. Man kann in Zweifelsfällen also nicht einfach einen Muttersprachler fragen, was denn nun ein bestimmtes Wort heißt. Man kann auch nicht einfach ein Wörterbuch öffnen, um nachzuschlagen - das heißt: man kann natürlich schon, aber woher weiß man, daß derjenige, der das Wörterbuch geschrieben hat, denn auch wirklich wußte, was die Wörter heißen? Auch er konnte ja keinen Muttersprachler fragen.
Die Verschiedenheit der Sprachen erlaubt es dem Übersetzer nicht, jeweils einfach ein Wort der Ursprache durch eines der eigenen Sprache wiederzugeben. Weder der Satzbau noch die Wortbedeutung stimmen in den verschiedenen Sprachen genau überein. Vielmehr hat jedes hebräische, aramäische oder griechische Wort seinen eigenen Bedeutungsgehalt; der Bedeutungsgehalt der in der Übersetzung verwendeten deutschen Wörter ist dagegen meist ein anderer.
Ein Beispiel dazu: Das hebräische Wort „Schalom“, hat einen wesentlich weiteren Bedeutungsgehalt als unser deutsches Wort Frieden, mit dem wir „Schalom“ meist wiedergeben. Schalom kann je nach Zusammenhang auch Wohlbefinden, Unversehrtsein, Glück, Freundlichkeit, Gedeihen, Fruchtbarkeit, Heil oder allgemein Gutes bedeuten. Eine einheitliche Übersetzung von „Schalom“ mit „Frieden“ würde dem Original also nicht gerecht. Der Übersetzer muß sich bei der Übersetzung für eine Entsprechung entscheiden.
Ein weiteres Beispiel: im Deutschen haben wir nur ein Wort für Liebe, im griechischen mindestens drei. Wollen wir nun die entsprechenden griechischen Wörter im Deutschen wiedergeben, sind wir auf den Zusammenhang oder auf erläuternde (und damit hinzugefügte) Wörter angewiesen, um der Bedeutung der ursprünglichen Wörter gerecht zu werden. Auch hier ist also keine „Eins-zu-Eins-Übersetzung“ möglich; der Übersetzer muß Wörter übertragen, die es im Deutschen so nicht gibt.
Übersetzen - eine Kreisbewegung
Das
Übersetzen alter Texte ist wie eine Katze, die sich in den Schwanz beißt: man
hat zuerst den Text in der Ursprache (z.B. Hebräisch) und versucht, anhand der
aus anderen Texten gewonnen Sprachkenntnisse den Text in eine Zielsprache (z.B.
Deutsch) zu übersetzen. Durch dieses Übersetzen lernt man den Text, die
Gedankenwelt des Autors und die ganze Kultur der Ursprache besser kennen. Wenn
wir das Alte Testament lesen, erfahren wir eine ganze Menge darüber, wie die
Menschen damals gedacht haben, und diese Erkenntnis hilft uns dabei, den Text
besser zu verstehen und genauer zu übersetzen. Man muß den Text und seine
Gedankenwelt zunächst verstehen, bevor man ihn richtig übersetzen kann - aber um
ihn verstehen zu können, muß man ihn zuerst übersetzen. Man nennt dies einen
„hermeneutischen Zirkel“ , und es gibt keine Möglichkeit, ihn zu vermeiden.
Die Septuaginta
Die Geschichte der Bibelübersetzung beginnt im 3. vorchristlichen Jahrhundert, als die griechische Sprache zur Weltsprache emporsteigt. Wahrscheinlich haben die jüdischen Intellektuellen schon am Anfang dieser Epoche klar gesehen, was die Hellenisierung von ihnen verlangt: die Übersetzung der hebräischen Bibel ins Griechische. Diese Einsicht von alexandrinischen Juden ist die Geburtsstunde der griechischen Bibel, der sogenannten „Septuaginta“. Leider wissen wir über ihre Entstehung nichts Näheres. Nur im Fall des Buches Jesus Sirach kennen wir den Übersetzer, weil er seiner Übertragung ein persönliches Vorwort vorausschickt. Darin stellt er sich als Enkel des Gelehrten Jesus Sirach vor, teilt uns das Jahr seines Übersiedelns von Palästina nach Ägypten mit (132 v. Chr.) und berichtet über seine mühsame Übersetzungsarbeit. Er bittet um Nachsicht in all den Fällen, wo er trotz seiner Anstrengung dem Original nicht ganz gerecht geworden sei: „denn, was ursprünglich auf Hebräisch ausgedrückt ist, behält nicht unbedingt den gleichen Sinn, wenn es in eine andere Sprache übersetzt wird.“
Man legt sich die Entstehungsgeschichte der Septuaginta so zurecht: Den Ausgangspunkt bildet die Herstellung einer Übersetzung des Pentateuchs, denn dieser gilt als das nationale und religiöse Gesetzbuch der Juden. Der griechische Pentateuch entsteht wohl schon in der ersten Hälfte des 3. Jh. Allmählich übersetzt man alle weiteren Teile der hebräischen Bibel, allerdings nicht mehr immer so zuverlässig und wörtlich wie den Pentateuch. Im 1. vorchristlichen Jahrhundert liegt die ganze Septuaginta vor. Woher kommt eigentlich der Name „Septuaginta“? Das Wort ist lateinisch und bedeutet „siebzig“. Es ist das Stichwort für eine Erzählung über die Herkunft und Entstehung der griechischen Bibelübersetzung. Die Legende hat folgenden Inhalt: Der ägyptische König Ptolemäus II. mit dem Beinamen Philadelphos (285-246 v. Chr.) will ein jüdisches Gesetzbuch in seiner berühmten Bibliothek haben. Aber es gibt keine Übersetzung. So wendet sich der König an den Hohenpriester in Jerusalem, der ein Übersetzungskomitee von jüdischen Gelehrten nach Ägypten schickt - 72 Mann. Diese fertigen die Übersetzung an. Die Arbeitszeit wird mit 72 Tagen angegeben - natürlich eine viel zu kurze Zeit. Noch unwahrscheinlicher ist ein anderer Zug der Legende: Jeder Gelehrte habe die ganze Bibel für sich allein übersetzt, und es habe sich 72 mal eine wörtliche Übereinstimmung ergeben, was auf göttliche Hilfe zurückgeführt wird.
Diese Erzählung ist eine Legende und enthält so viele Übertreibungen, daß ihr historischer Kern nicht mehr sicher zu erkennen ist. Wollen die alexandrinischen Juden nur ihre gängige Übersetzung adeln und wohl auch deren angefochtene Autorität sichern? Oder kümmert sich der Ptolemäerkönig tatsächlich um ein jüdisches Gesetzbuch in griechischer Sprache, um seiner Verwaltungs- und Gerichtsbürokratie die Aufsicht über die halbautonome jüdische Bevölkerung zu ermöglichen? Wie dem auch sei, offenbar liest man schon im 2. vorchristlichen Jahrhundert in manchen Kreisen den Originaltext nicht mehr. Die Lektüre der offiziellen Übersetzung genügt völlig.
Die Septuaginta, die der Kirchenlehrer Origenes im 3. Jh. n. Chr. sorgfältig durchsieht und verbessert, ist heute noch erhalten und wird als offizielle Bibel der griechisch-orthodoxen Kirche gebraucht. Andere griechische Übersetzungen, die zur Septuaginta in Konkurrenz treten - Origenes kennt deren fünf! -, können sie nicht verdrängen.
Die Septuaginta beeinflußt in manchen Einzelheiten noch heute die Übersetzung der Bibel. Als erste Übertragung der hebräischen Bibel in eine nicht-semitische Sprache, ausgeführt von sachkundigen Gelehrten, ist sie auch für moderne Bibelübersetzer noch hilfreich. Die Septuaginta überträgt den Gottesnamen Jahwe mit „Herr“ (griech. Kyrios), weil die zeitgenössischen Juden den Eigennamen Gottes aus Ehrfurcht nicht mehr auszusprechen wagen. Diese Ersetzung des Gottesnamens durch „der Herr“ geht, von wenigen Übersetzungen unseres Jahrhunderts abgesehen, in alle späteren Übertragungen des AT ein. Auch die Wiedergabe des hebräischen Wortes „nawi“ (= Berufener?) durch „Prophet“ bürgert sich seit der Septuaginta ein.
Literatur:
Biblische Basisbücher 3: Bernd Lang: Ein Buch wie kein anderes / Einführung in die
kritische Lektüre der Bibel; Verlag Katholisches Bibelwerk; ISBN 3 - 460 - 27031 - 4
Die Vulgata
Während für uns die Schöpfer der griechischen Bibel anonym bleiben, kennen wir den Namen des Vaters der lateinischen Bibel: Hieronymus (350-420 n. Chr.). Streng genommen müssen wir den gelehrten Heiligen als den Adoptivvater der lateinischen Bibel bezeichnen, denn er beginnt seine Arbeit an der Bibel nicht als Übersetzer, sondern als Bearbeiter bereits vorhandener lateinischer Übertragungen. Doch als sein in Betlehem entstandener gründlich revidierter lateinischer Psalter schon in den 380er Jahren ein Bestseller wird, der, wieder und wieder abgeschrieben, sich in den lateinisch sprechenden Christengemeinden in aller Welt durchsetzt, beschließt er, die ganze Bibel neu zu übersetzen und nicht nur bereits bestehende lateinische Übersetzungen zu revidieren. Solche Korrekturarbeit muß einem echten Gelehrten als unwürdiges Flickgeschäft erscheinen. Legte Hieronymus bisher die griechische Bibel seiner Revisionsarbeit zugrunde, so kommt für eine Neuübersetzung nur der hebräische Originaltext in Frage. Das bedeutet harte Lernarbeit, denn Hieronymus spricht fließend Griechisch und Lateinisch, nicht aber Hebräisch. Er verfügt zwar über hebräische Grundkenntnisse, die ihm - als er Sekretär von Bischof Damasus war - ein konvertierter Jude in Rom beigebracht hat. Aber nun muß er das Studium der schwierigen „zischenden und keuchenden Wörter“ wieder aufnehmen. Hieronymus erleichtert sich die Arbeit durch das ständige Konsultieren jüdischer Gelehrter, mit denen er seine Übertragung durchspricht.
Wie Hieronymus beim NT vorgeht, ist in der Forschung umstritten. Wahrscheinlich fertigt er keine ganz neue Übersetzung an, sondern begnügt sich mit einer Durchsicht der Evangelien und übernimmt eine von fremder Hand geschaffene Fassung der übrigen Schriften.
Der Lohn für die mühevolle Arbeit der Übersetzung und der kritischen Durchsicht bleibt zu Lebzeiten des Heiligen aus. Teils triumphierend, teils bitter muß er feststellen: „In der Öffentlichkeit greifen sie mein Werk an, und heimlich lesen sie es.“ Es zirkulieren zwar Abschriften, aber sie verdrängen die geläufigen, heute „altlateinisch“ (vetus latina) genannten Versionen noch lange nicht. Als Hieronymus 420 n. Chr. stirbt, ist daran noch nicht zu denken. Erst ganz allmählich kann sich die neue Übertragung durchsetzen. Aber eines Tages siegt die neue Übersetzung doch. Zur Zeit Karl des Großen ist sie die lateinische Bibel schlechthin, die Vulgata, d. h. die verbreitete volkstümliche Bibel. Aber das ist fast 400 Jahre nach Hieronymus! Und kurioserweise enthält die Vulgata des Mittelalters nicht die neue, aus dem Hebräischen gefertigte Psalmenübersetzung des Hieronymus, sondern seine erste Revision. Die Vulgata bleibt bis ins 20. Jh. der maßgebliche Bibeltext der katholischen Kirche.
Das 16. Jh. ist ein Zeitalter intensiver Übersetzungsarbeit, denn der Humanismus ruft von der gängigen Vulgata zu den Urtexten zurück, und die Reformatoren fordern Bibeln in der Muttersprache der Gläubigen.
Literatur:
Biblische Basisbücher 3: Bernd Lang: Ein Buch wie kein anderes / Einführung in die
kritische Lektüre der Bibel; Verlag Katholisches Bibelwerk; ISBN 3 - 460 - 27031 - 4
Wußten Sie schon, daß ...
die Bibel, die „gantze heilige Schrift: Deudsch“, nicht von Martin Luther auf der Wartburg übersetzt wurde ?! Auch wenn M. Luther fast ein Jahr lang auf der Wartburg als Junker Jörg vor den „Kaiserlichen“ und „Altgläubigen“ verborgen lebte, so ist die Bibel viel zu dick und die Kunst des Übersetzens zu schwer, um von einem Menschen allein bewältigt zu werden. Außerdem hatte M. Luther noch ganz andere Sorgen und führte eine umfangreiche Korrespondenz. Als es in Wittenberg im Winter 1521/22 zu sogenannten Unruhen und Bilderstürmen kam, hielt er es auf der Wartburg nicht mehr aus. Kurz vor der Passionszeit kehrte er zurück nach Wittenberg und predigte dann die erste Passionswoche jeden Tag. Was er von der Wartburg mitbrachte, war jedoch nicht die ganze Bibel!
Am Ende des 14. Jahrhunderts gab es etliche Bibelverdeutschungen, und es sind zur Zeit 14 verschiedene vollständige hochdeutsche Druckbibeln bekannt, deren älteste 1466 von Johann Mentelin in Straßburg gedruckt wurde. Die Texte sind sprachlich veraltet und sind allesamt Übersetzungen aus der „Vulgata“, der vom Papst als maßgeblich erklärten lateinischen Bibelübersetzung, die auf den Kirchenvater Hieronymus zurückgeht (4. Jh. n. Chr.).
Schon während seiner Professorentätigkeit wandte sich Luther dem griechischen Text des Neuen Testaments und dem hebräischen Text des Alten Testaments zu. Nachdem er gebannt war, verbrachte er die Zeit vom 4. 5. 1521 bis zum 1. 3. 1522 auf der Wartburg. Martin Luther besuchte im Dezember 1521 heimlich Wittenberg und sein Kollege Philipp Melanchthon veranlaßte ihn dann, die Zeit zu nutzen und das Neue Testament zu übersetzen. In nur etwa 11 Wochen übersetzte Luther das Neue Testament, das er dann mit Melanchthon, der Professor für Griechisch war, nochmals durchging und das erst im September 1522 erschien, doch bereits im Dezember desselben Jahres mußte eine Neuauflage gedruckt werden. Auf der Wartburg übersetzte Luther also lediglich das Neue Testament, nicht die Bibel! Es dauerte dann noch 12 volle Jahre, bis das Alte Testament vollständig ins Deutsche übersetzt von M. Luther und seinen Mitarbeitern (Melanchthon, Bugenhagen, Jonas, Cruciger und dem Hebräisten Aurogallus) gedruckt werden konnte. Vor allem die Verzögerung der Prophetenübersetzungen veranlaßte die Stadt Zürich, unter Federführung von Leo Jud, eine eigenständige Übersetzung vorzulegen, so daß schon im März 1529 die erste vollständige neuhochdeutsche Vollbibel gedruckt wurde (Zürcher Bibel). 1534 erschien dann die Luther-Vollbibel, die er zeitlebens noch bearbeitete. Luthers Verdienst liegt nicht so sehr darin, „dem Volk aufs Maul zu schauen“, sondern darin, daß er als erster konsequent die griechischen und hebräischen Originale und nicht die lateinische Vulgata zur Grundlage seiner Übersetzung wählte. Auf Luthers Übersetzung folgen zahlreiche, von seiner Bibel unabhängig ausgearbeitete Übersetzungen. Berühmt sind: die französische Bibel von Pierre Robert Olivetan (Neuchätel 1535), die englische Bibel von William Tyndale (Antwerpen 1537, bekannt als „Matthew's Bible“), die spanische Bibel von Casiodoro de Reina (Basel 1569), die ungarische Bibel von Gáspár Károly (Viszoly 1590). Diese Übersetzungen sind sehr eng mit der Geschichte der Reformation verbunden und haben in Deutschland und Ungarn große Bedeutung für die Entwicklung und Verbreitung der modernen Standardsprache. Wenn Luther in seinem „Sendbrief vom Dolmetschen“ (1530) schreibt: „uns ist wohl oft begegnet, daß wir vierzehn Tage, drei vier Wochen haben ein einziges Wort gesucht und gefragt, haben es dennoch zuweilen nicht gefunden“, dann hängt das nicht nur mit seinen mangelnden Kenntnissen der biblischen Grundsprachen, sondern auch mit der damals noch unentwickelten neuhochdeutschen Standardsprache zusammen, zu deren „Schöpfer“ man Luther allerdings nicht hochstilisieren sollte. Luther bedient sich der damals schon weit verbreiteten sächsischen Kanzleisprache.
Das beklagenswerteste Schicksal der Übersetzer des 16. Jh. hat der Engländer William Tyndale. Als Anhänger der Reformation flieht er 1524 nach Deutschland, läßt seine Übersetzung des NT in Worms drucken und nach England schmuggeln. Den heimatlosen Übersetzer spüren Agenten Heinrichs VIII. in Belgien auf, wo er nach siebzehnmonatiger Haft 1536 erdrosselt und verbrannt wird. Seine Übersetzungsarbeit geht in die „King-James-Bibel“ von 1611 ein, die bis in unser Jahrhundert gelesen wird.
Quelle:
Pfarrbrief der evang. Kirchengemeinde
Berlin - Mariendorf
Die Einteilung der Bibel in Kapitel und Verse
Um sich in der Bibel zurechtzufinden und einzelne Textabschnitte in ihr aufzusuchen, benötigen wir ein Orientierungssystem. Martin Luther gibt zum Beispiel für die Versuchungsgeschichte „Matthai IV am Anfang“ an und für den Taufauftrag Jesu „Matthai am Letzten“. Er kannte eine Einteilung der biblischen Bücher in Kapitel, aber noch keine Verseinteilung.
Ursprünglich jedoch waren alle biblischen Bücher fortlaufend, ohne Absätze, ohne Kapitel und Verseinteilung und ohne Zwischenüberschriften geschrieben. In den griechischen und hebräischen Originalhandschriften gibt es großenteils nicht einmal Satzzeichen, oder die Buchstaben werden zum Teil durchlaufend geschrieben, so daß wir aus dem fortlaufenden Buchstabenfluß erst Wörter voneinander unterscheiden müssen. Die Einteilung des Bibeltextes in etwa gleichlange Kapitel und in durchgezählte Sätze („Verse“) begegnet uns in der gewohnten Weise zuerst in lateinischen und hebräischen Bibeldrucken des 16. Jh. Diese Gliederung ermöglicht, ein rasches Auffinden von Texten; das ist vor allem für die Arbeit in den Universitäten und theologischen Hochschulen, aber auch für konfessionelle Dispute und jüdisch-christliche Auseinandersetzungen wichtig und hilfreich.
Als Schöpfer der Texteinteilung pflegt man anzugeben:
Stephan Langton (1150-1228): Der in Paris lehrende Theologieprofessor gliedert um 1200 die lateinische Bibel in Kapitel. Seine Einteilung wird um 1226 in die „Pariser Bibel“ aufgenommen; diese Bibel gilt lange für wissenschaftliche Zwecke als die Normbibel mit dem maßgeblichen lateinischen Text. Langton stammt aus Lincolnshire (England) und wird später Erzbischof von Canterbury und Kardinal. Man kennt ihn als Mitverfasser der „Magna Charta“ von 1215, die den britischen Adel und die Kirche vor der Willkür der britischen Krone schützt. Langtons Sequenz „Veni, Sande Spiritus“ („Komm, Heiliger Geist“) wird heute noch in der Pfingstliturgie gebraucht.
Isaak Nathan (Lebensdaten unbekannt): Dem provenzalischen Rabbi und Arzt kommt eine lateinische Wortkonkordanz in die Hand, nach deren Vorbild er zwischen 1438 und 1448 eine hebräische Wortkonkordanz des AT zusammenstellt. Seine Konkordanz enthält die Langtonschen Kapitel, aber auch, um Langtons System zu verfeinern, die je Kapitel durchgezählten Sätze. Rabbi Nathans Konkordanz wird erstmals 1523 in der Druckerei von Daniel Bomberg in Venedig gedruckt. Dieselbe Druckerei übernimmt zuerst nur die Kapiteleinteilung (1518), dann auch die Verseinteilung (1547/48) in ihren berühmten Drucken der hebräischen Bibel. Diese Bibeln werden Rabbinerbibeln genannt, weil sie neben dem hebräischen Text auch die aramäische Übersetzung und klassische jüdische Kommentare enthalten.
Santes Pagnini (1470-1541): Der italienische Dominikaner, Novize bei Savonarola, ist einer der vorzüglichsten christlichen Hebräisten seiner Zeit. Er verfaßt eine vielgebrauchte hebräische Grammatik und ein hebräisches Wörterbuch. In Lyon fertigt er eine neue lateinische Bibelübersetzung aus den Ursprachen an; sie wird 1528 gedruckt und enthält Kapitel- und Verseinteilung. Aus der Pagnini-Bibel übernimmt der Pariser Drucker Robert Estienne die Gliederung für seine Konkordanz der lateinischen Bibel (1555) und für seine dreibändige Studienbibel, die auch gelehrte Anmerkungen enthält (Genf 1556/57).
Die Kapiteleinteilung ist in den Bibeln des 16. Jh. durchaus üblich, während sich die Durchzählung der Verse erst allmählich durchsetzt. So enthält etwa die letzte, von Luther noch selbst besorgte Ausgabe seiner Bibel aus dem Jahre 1545 nur die Kapitel-, nicht aber die Verseinteilung. Dagegen enthalten die in Heidelberg gedruckte Lutherbibel von 1568 und die Vulgata-Ausgabe von Papst Sixtus V. aus dem Jahre 1590 die Kapitel- und Verszählung. Obwohl sich diese Gliederung der Bibel allmählich durchsetzt, stimmen auch heute noch nicht alle Bibelausgaben und -übersetzungen in allen Einzelheiten der Zählweise überein, besonders im Psalter und in einigen deuterokanonischen Büchern (Sirach, Ester, Daniel).
Literatur:
Biblische Basisbücher 3: Bernd Lang: Ein Buch wie kein anderes / Einführung in die
kritische Lektüre der Bibel; Verlag Katholisches Bibelwerk; ISBN 3 -460 - 27031 - 4
Zur Zählung der Psalmen
Das alttestamentliche Psalmenbuch zählt 150 Lieder, der in einigen Septuagintahandschriften und syrisch überlieferte Psalm 151 wird nicht zur Sammlung gerechnet. Dabei sind verschiedene Lieder zu einem Psalm zusammengezogen, z. B. 19, 27 und umgekehrt Zusammengehöriges in zwei Psalmen zerlegt, z. B. 9 und 10; 42 und 43. In der Septuaginta sind Psalm 9 und 10 sowie 114 und 115 zu einem Psalm vereinigt, dagegen 116 und 147 in zwei Psalmen aufgeteilt, so daß ihre Zählung von 9, 22 -146,11 nicht der des hebräischen Textes entspricht.
Durch die Teilungen bleibt zwar die Gesamtzahl von 150 Psalmen gleich, aber in der Zitierweise ergibt sich ein heilloses Durcheinander. Dieses Tohuwabohu stört nicht nur den Gelehrten und den Studenten, der abwechselnd in der Vulgata und in der hebräischen Bibel liest, sondern auch die Verständigung unter den Konfessionen: Die Protestanten pflegen der hebräischen Zählweise, die Katholiken der lateinischen zu folgen. Die Anekdote über den „Rheinbund-Psalm“ vermag die Verwirrung treffend zu erläutern. Nach der Schlacht bei Austerlitz (5. Dezember 1805) wird der Rheinbund errichtet. Unter den neuen Rheinbundfürsten will sich der württembergische König Friedrich II. bei Napoleon besonders lieb Kind machen und ordnet für sein Land einen Dankgottesdienst an. Dabei soll über Psalm 21, Vers 7 und 8, gepredigt werden.
Als die protestantischen Geistlichen die Bibel
aufschlagen, finden sie daselbst geschrieben:
Du setzest ihn zum Segen ewiglich und
erfreuest ihn mit den Freuden deines Antlitzes.
Denn der König hofft auf den Herrn und wird
durch die Güte des Herrn festbleiben.
Die katholischen Pfarrer aber stellen mit
Befremden folgenden Wortlaut fest:
Ich bin ein Wurm und kein Mensch, ein
Spott der Leute und Verachtung des Volkes.
Alle, die mich sehen, spotten meiner, sperren
den Mund auf und schütteln den Kopf.
Inzwischen benützen die meisten katholischen Bibelausgaben die hebräische Zählung der Psalmen, so daß sich solche mißlichen Szenen kaum mehr wiederholen werden. Obwohl die neueren Kommentare, die hebräischen Psalmen 9 und 10 zusammenfassend, nur 149 Lieder unterscheiden, denkt niemand an die Einführung einer neuen Zählung. Diese würde die Verwirrung, die schon groß genug ist, nur noch heilloser machen.
Da der Einheitsübersetzung der hebräische Text zugrunde liegt, folgt sie auch der hebräischen Zählung.
So ergibt sich folgende Ordnung für die
verschiedenen Psalterzählweisen:
Ps 1 - 9 Zählung gleich
Ps 10 - 113 hebräische Zählung geht um 1
voraus
Ps 114 entspricht dem griechischen Psalm 113
Ps 116 hebräische Zählung entspricht den
griechischen Psalmen 114 und 115
Ps 117 - 146 hebräische Zählung geht um 1
voraus
Ps 147 hebräische Zählung entspricht den
griechischen Psalmen 146 und 147
Ps 148 - 150 Zählung gleich.
Literatur:
Einheitsübersetzung
Biblische Basisbücher 3: Bernd Lang: Ein Buch wie kein anderes /
Einführung in die kritische Lektüre der Bibel; Verlag Katholisches Bibelwerk; ISBN 3 - 460 -
27031 - 4
Die Bibel im Gottesdienst
Feiern sind im Menschenleben und im Leben einer Gemeinde nicht das Tägliche, es sind die Ausnahmen, die aus dem Alltäglichen heraustreten. Eine besondere Form von Feiern ist unser Gottesdienst, in dem vom Lektor und Priester Texte aus der Bibel vorgelesen und in der Predigt des Gemeindevorstehers gedeutet, erläutert und auf die versammelte und hörende Gemeinde angewandt werden. Es geht um die Aktualisierung des einmal gesprochenen Wortes in je einer neuen Lage und an je eine Gemeinde, die sich unter dem Wort Gottes versammelt.
Da, wo an den Sonntagen eine alttestamentliche Lesung vorgesehen ist, wird diese stets am Anfang erste Lektion genannt, währen die zweite Lesung der Apostelgeschichte, den Apostelbriefen oder der Offenbarung des Johannes entnommen ist. Das Evangelium wird entsprechend den drei Lesejahren dem Evangelium von Matthäus, Markus oder Lukas entnommen, während das Johannesevangelium nur zu besonderen Zeiten zum Vortrag kommt.
Der heilige Bonifatius schrieb einst an seine Benediktinerinnen in England: „Schreibt mir die Briefe meines Herrn Petrus (die Petrusbriefe) mit goldenen Buchstaben!“ Warum mit goldenen Buchstaben? Damit die Germanen auf dem Kontinent die Kostbarkeit der Botschaft nicht nur durch das Hören kennenlernen, sondern auch mit den Augen sehen können.
Diese Germanen, die sehen müssen, um zu glauben, gibt es auch heute noch. Das Evangeliar fällt nicht nur durch einen besonders schönen Einband auf, sondern auch durch die Ehrfurcht, mit dem es in feierlicher Prozession zum Ambo getragen und beweihräuchert wird.
Zum Hören und Sehen gehört das Reagieren. Das Wort kommt auf Ohr und Auge zu, es trifft das Trommelfell und die Netzhaut, ja es trifft den ganzen Menschen. Schon äußerlich: die Wellen des Lichtes und der Klang treffen alle Sinne des Menschen, wenn auch nicht alle dafür in gleicher Weise empfindlich sind. Und die Mitte trifft seine Mitte: das Herz. Das Herz unterscheidet den Menschen von allen anderen Lebewesen. Das Herz: die tiefe Mitte des Menschen, der Ort, wo das Entscheidende geschieht. Jeder Mensch hat sein eigenes Herz, keiner hört wie der andere, keiner reagiert wie der andere. Jeder muß das Gehörte auf seine Weise aufnehmen. Dazu braucht er unter anderem die Zeit: die Zeit der Lesung, aber auch einige Zeit danach. Daher ist die Stille einer Besinnungspause nach der Lesung oder Predigt wichtig. Aus der Stille heraus kann dann die Antwort kommen. Das Wort Gottes hat die Macht, die verschiedenen Menschen, deren jeder sein eigenes Herz und seine eigene Sprache hat, zur Gemeinsamkeit, zur Einheit zusammenzuführen. Daß die gemeinsame Antwort auf das Gehörte Wort für jeden einen anderen Klang, eine andere Farbe hat, macht die Kraft und den Reichtum der Antwort aus.
Der Lektor schließt die Lesungen mit „Wort des lebendigen Gottes“, die Gläubigen antworten mit „Dank sei Gott“. Der Priester schließt den Evangeliumstext mit „Evangelium unseres Herrn Jesus Christus“, worauf die Gemeinde mit „Lob sei dir Christus“, antwortet. Das will sagen: Ich habe verstanden, ich bin einverstanden - und ich bin froh. Dies drückt sich auch in unserem Halleluja - Ruf nach der Lesung aus.
Danken
Wir haben reichlich zu essen. Die Regale in den Supermärkten quellen über, unsere Kühlschränke und Gefriertruhen sind gut gefüllt. Das ist keineswegs selbstverständlich. Die älteren Menschen haben den Hunger am eigenen Leib kennengelernt, und die jüngeren Menschen können über Fernsehen und Zeitungsberichte aus den Hungergebieten erfahren, wie schrecklich es ist, wenn der Mensch nichts zu essen hat. Wer einmal gehungert hat, der geht sorgfältig mit den Gaben um. Er läßt keine Güter verkommen und weiß sich auch zu mäßigen. Er ist dankbar und vergißt die Hungrigen nicht. Pedro Arrupe hat einmal gesagt: „Wir werden die tiefste Kraft des Brotes des Lebens so lange nicht in uns erfahren, als wir nicht bereit sind, denen Brot zu geben, deren Leben bedroht ist.“
Ein Tischgebet lautet:
Wir wollen danken für unser Brot.
Wir wollen helfen in aller Not.
Wir wollen schaffen,
die Kraft gibst du.
Wir wollen lieben,
Herr, hilf dazu.
Wer zu Tisch betet und dankt, der weiß, daß er nicht alles „machen“ kann und daß nicht alles selbstverständlich ist. Für ihn haben alle Gaben einen Glanz der Gnade. Mit den Gütern der Erde nimmt er die Güte Gottes zu sich. So sind Brot und Wein und alles andere nicht nur eine Speise für den Leib, sondern sie stärken und erfreuen das Herz des Menschen. Wir können noch soviel essen und trinken, unser Lebenshunger und Lebensdurst lassen sich durch Nahrung und Speise allein nicht stillen. Im Gegenteil, sie werden immer nur größer.
Unser Lebenshunger und unser Lebensdurst werden dann gestillt, wenn wir die Nahrung zu einer Speise für Leib, Seele und Herz werden lassen. Das geschieht, wenn wir die Güter der Erde als einen Ausdruck der Güte Gottes verstehen.
14Du läßt Gras wachsen für das Vieh, auch Pflanzen für
den Menschen, die er anbaut, damit er Brot gewinnt von der Erde
15und
Wein, der das Herz des Menschen erfreut, damit sein Gesicht von Öl erglänzt und
Brot das Menschenherz stärkt.
27Sie alle warten auf dich, daß du ihnen Speise gibst
zur rechten Zeit.
28Gibst du ihnen, dann sammeln sie ein; öffnest du
deine Hand, werden sie satt an Gutem.
Psalm 104
Literatur:
Horst Keil: Dein ist der Tag und dein ist die Nacht / Bilder und
Betrachtungen zu den Psalmen. Quell - Verlag; ISBN3-7918-2011-7
Es gibt viele Gründe, Gott zu danken
Eine kleine Auswahl dazu aus der Bibel:
1. Alles, was wir Gutes haben, ist von Gott empfangen
1 Kor 4,7
Was hast du, das du nicht empfangen hättest?
Lk 16,25 Abraham erwiderte: Mein
Kind, denk daran, daß du schon zu Lebzeiten deinen
Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes.
Apg 7,53
Ihr habt durch die Anordnung von Engeln das Gesetz empfangen.
2. Dankbarkeit führt zu tieferer Heilserkenntnis
Ps 50,23
Wer Opfer des Lobes bringt, ehrt mich; wer rechtschaffen lebt, dem zeig ich mein Heil.
3. Undank verfinstert
Röm 1,21
Denn sie haben Gott erkannt, ihn aber nicht als Gott geehrt und
ihm nicht gedankt. Sie verfielen in ihrem
Denken der Nichtigkeit
und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert.
4. Die Erkenntnis der Gabe Gottes verpflichtet zum Dank
Röm 1,19
Denn was man von Gott erkennen kann, ist ihnen offenbar, Gott hat es ihnen
offenbart. (Da jeder wenigstens anfangsweise Gotteserkenntnis hat, ist er auch zum Dank verpflichtet)
5. Daher Aufforderung zum Dank
Ps 118,1
Danket dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig.
Ps 95,2 Laßt uns mit Lob (Dank) seinem Angesicht nahen, vor ihm
jauchzen mit Liedern!
Eph 5,20
Sagt Gott, dem Vater, jederzeit Dank für alles im Namen Jesu Christi, unseres Herrn!
Kol 3,15
In eurem Herzen herrsche der Friede Christi; dazu seid ihr
berufen als Glieder des einen Leibes. Seid dankbar!
6. Der Weg zum Dankbarwerden führt oft über Leiden
Ps 118,21 Ich danke dir, daß du mich erhört hast; du bist für mich zum
Retter geworden.
Jes 12,1
An jenem Tag wirst du sagen: Ich danke dir, Herr. Du hast mir gezürnt, doch dein Zorn hat sich gewendet und du
hast mich getröstet.
7. Dank für irdische und geistliche Gaben; Dank
für den Heilsstand anderer
Lk 17,16
Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm. (Der geheilte
Samariter)
1 Kor 15,57 Gott aber sei Dank, der uns den Sieg geschenkt hat durch
Jesus Christus, unseren Herrn.
1 Tim 1,12
Ich danke dem, der mir Kraft gegeben hat: Christus Jesus, unserem Herrn.
Phil 1,3 Ich danke meinem Gott jedes Mal, wenn ich an euch
denke.
8. Der rechte Dank führt zum Lobpreis und zum
Zeugnis
Ps 9,2
Ich will dir danken, Herr, aus ganzem Herzen, verkünden will ich all deine
Wunder.
Ps 34,2
Ich will den Herrn allezeit preisen; immer sei sein Lob in meinem Mund.
Ps 92,2 Wie schön ist es, dem Herrn zu danken, deinem Namen,
du Höchster, zu singen.
Kol 4,2
Laßt nicht nach im Beten; seid dabei wachsam und dankbar!
1 Thess 5,18 Dankt für alles; denn das will Gott von euch. (Lobt Gott
in allen Lebenslagen)
9. Wofür man danken kann, das ist keine Sünde
1 Tim 4,4
Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut und nichts ist verwerflich, wenn es
mit Dank genossen wird.
Literatur:
Friedrich Hauss: Biblische Begriffe / Stichwort - Konkordanz; Hänssler-Verlag,
ISBN 3-7751-3299-6
Gott, ein oft mißbrauchtes Wort
„Gott“ ist ein Wort, das ähnlich wie ein Einkaufswagen in einem Supermarkt mit ganz unterschiedlichem gefüllt werden kann. Die „Einkaufswagen“ heißen alle „Einkaufswagen“, aber jeder Käuferin, jede Käufer legt etwas anderes hinein - oder auch nichts. Das Wort heißt immer nur „Gott“, aber es wurden und werden die unterschiedlichsten und auch die seltsamsten Vorstellungen hineingepackt: tragende Kraft der Welt, bedrohlicher Alles-Seher, Urgrund des Seins, Gott-der-Liebe, Gott-ist-tot, Gott Jesu, Lebensquelle, strenger Vater, kosmische Energie, persönlicher Gott, Fantasie-Erfindung menschlicher Sehnsucht, Gott-für-Volk-und-Vaterland, unsichtbare Macht, weißbärtiger Alter, Gott-mit-uns-im-Krieg, lieber Gott als eine Art Kuschelbär und Wundertüte, letzte moralische Instanz, Weltpolizist, höchstes Wesen...
In der Tat: „Gott“ ist ein im Laufe der Jahrhunderte abgegriffenes Wort, ein oft mißbrauchtes Wort, für viele ein unglaubwürdiges, belächelnswertes, ja abstoßendes Wort, für viele ein leeres, nichts sagendes, überflüssiges Wort. Und doch: „Gott“ ist das Wort, mit dem sich „seine letzte Wirklichkeit“ auch heute noch glaubwürdig benennen läßt. Wir müssen es nur mit glaubwürdigem, zutreffendem Inhalt füllen. Dann kann es für mich das Wort werden, das ich mit Leben, Freude, Liebe, Freiheit schlechthin in Verbindung bringe, das zentrale Wort meines Lebens.
So etwas sagt sich leicht, - doch es ist nicht leicht für jemanden, der bestimmte Vorstellungen von Gott hat, ungute Erfahrungen gemacht hat, der restlos enttäuscht und verletzt ist. Dessen Gottesvorstellungen zerbrochen sind. Es ist verständlich, wenn dieser Mensch vorzieht, zugleich mit seinen alten Gottesvorstellungen jeden Gottesglauben über Bord zu werfen und zu sagen: Es gibt überhaupt keinen Gott. Richtig allerdings müßte es heißen: Also es gibt den Gott nicht, den ich mir vorgestellt habe! Doch gibt es vielleicht einen anderen Gott, der größer ist als das Zerrbild, das ich mir von Gott gemacht habe? Und sich dann auf die Suche nach diesem Gott zu machen. Von daher wäre die Auflösung alter Gottesvorstellungen eine Chance, zum „wahren“ Gott zu finden. Auch wenn die Suche nach neuen Gottesvorstellungen anstrengend sein kann wegen der seelischen Narben und Verletzungen - sie lohnt sich. Es kann der Weg zum Gott des Lebens sein. Eine reiche Quelle unterschiedlicher Zugänge zu Gott bietet die Bibel. Beginnen Sie mit ihr Ihre Entdeckungsreise zu Gott. Lassen Sie uns alle an Ihren Entdeckungen teilhaben!
Gott spricht: Weinend kommen sie und tröstend
geleite ich sie. Ich führe sie an Wasser führende Bäche, auf einen ebenen Weg,
wo sie nicht straucheln. Denn ich bin Israels Vater und Efraim ist mein
erstgeborener Sohn.
Jer 31,9
Blick vom Himmel herab und sieh her von deiner heiligen, herrlichen Wohnung! Wo ist dein leidenschaftlicher Eifer und deine Macht, dein großes Mitleid und dein Erbarmen? Halte dich nicht von uns fern! Du bist doch unser Vater; denn Abraham weiß nichts von uns, Israel will uns nicht kennen. Du, Herr, bist unser Vater, »Unser Erlöser von jeher« wirst du genannt.
Und doch bist du, Herr, unser Vater. Wir sind
der Ton und du bist unser Töpfer, wir alle sind das Werk deiner Hände. Herr,
zürne uns doch nicht allzu sehr, denk nicht für immer an unsere Schuld! Sieh
doch her: Wir alle sind dein Volk.
Jesaja 63,15-16; 64,7-8
Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so
tröste ich euch; in Jerusalem findet ihr Trost.
Jesaja 66,13
Literaturempfehlung:
Uli Heuel: Woran Christen glauben / Das
Kennenlern - Buch für Neugierige; ISBN 3-451 -28378-6
Der Name Gottes
Im Hebräischen gab es ursprünglich nur für die Konsonanten (= Mitlaute) Buchstaben. Daher wurde der Eigenname des Gottes Israels mit der Konsonantenfolge JHWH wiedergegeben. (Er übertrifft an Häufigkeit (über 6000-mal) alle anderen Gottesnamen des Alten Testaments. Außerbiblisch ist er auf dem Meŝastein (9. Jahrhundert vor Christus) und in den Lakisch-Briefen (um 589 v. Chr.) bezeugt. Trotzdem fehlt im Alten Testament wegen der übertriebenen Scheu der Juden vor dem Gottesnamen jede sichere Angabe über seine Aussprache. Einen Einblick in diese wachsende Scheu vermittelt Levitikus 24,16, das auf Blasphemie die Todesstrafe legt.
Nach dem babylonischen Exil (von der Zerstörung Jerusalems im Jahre 586 v. Chr. bis zur Rückkehr der Juden nach Jerusalem im Jahre 538 v. Chr.) wurde aus Ehrfurcht dieser heilige Gottesname nicht mehr ausgesprochen. Man sagte stattdessen: „Adonai“ = „Herr“. Um eine einheitliche Aussprache bei der Verlesung des heiligen Textes zu sichern, fügten im Mittelalter jüdische Gelehrte, die Masoreten, zusätzliche Zeichen für die Vokale (= Selbstlaute) hinzu. An allen Stellen, an denen im hebräischen Text JHWH steht, setzten sie die Vokalzeichen für „Adonai“ ein. wobei sie nach den Regeln der masoretischen Vokalisation „e“ statt „a“ schrieben, also „jehōwāh“. Dieses Gebilde haben aber einzig die Christen (etwa ab 1100 n. Chr.), nie die Juden, als „Jehova“ gesprochen: Heute ist eindeutig erwiesen, daß dies ein Irrtum ist. Die richtige Aussprache muß lauten: „Jahwe“. Daß dies die wirkliche Aussprache von JHWH ist, überliefern Theodoretus und Klemens von Alexandrien.
Die verschiedenen Bestandteile von zwei Wörtern zu „J-e-h-o-v-a“ zu verschmelzen, käme im Deutschen etwa folgendem Verfahren gleich: Man nehme von „Basel“ die Konsonanten und von „Zürich“ die Vokale und gewinne so mit „Büsil“ eine bedeutende Schweizer Stadt. Der gleiche Unsinn wie „Büsil“ als Stadtname ist „Jehova“ als Gottesname. Er wird auch durch häufiges Wiederholen nicht richtig. Sicher hatten auch Sie schon Diskussionen mit Mitgliedern der Zeugen Jehovas. Dabei ist Ihnen sicher die Eigenart der von diesen benutzten Neue-Welt-Bibelübersetzung aufgefallen, besonders die Manipulation, die die Zeugen Jehovas mit dem Gottesnamen vornehmen. Sie weigern sich aber, dies in aller Klarheit zuzugeben. Meist gebrauchen sie ausweichende Formulierungen. Sie unterstellen etwa, keiner wisse ganz genau, wie der alttestamentliche Gottesname auszusprechen sei. Das ist falsch! Wenn sie aber an vielen Stellen auch bei der Übersetzung des Neuen Testamentes den Namen „Jehova“ verwenden, dann wird aus der falschen Aussprache und Schreibweise eine Verfälschung des Textes. Im ursprünglich griechischen Text des Neuen Testamentes hat dieser Name nämlich niemals gestanden!
Wenn wie in der Lutherbibel der Gottesname mit „HERR“ übersetzt wird, wird Gott damit gleichzeitig auf das „Herr-Sein“ reduziert, es wird nicht deutlich, daß es sich dabei um einen Namen handelt. In der neuen Bibelübersetzung »Bibel-in-gerechter-Sprache« wird für den Gottesnamen daher z. T. das Doppelzeichen „GOTT / JHWH“ verwendet.
Um den Namen Gottes nicht leichtfertig, unbedacht auszusprechen, finden wir in deutschsprachigen Bibeln auch die Schreibweise in Großbuchstaben: „HERR“ oder „Herr“, in aus jüdischen Quellen stammenden Texten die Schreibweise „G'tt“ für Gott. Wir sollen beim Lesen bewußt „stolpern“, innehalten und überlegen, ganz nach dem Spruch, der in einem Kurort an einem Joggingpfad steht:
»Halt ein, bleib stehn, sinn nach, ob deine Richtung stimmt.«
Literatur:
Wolfgang Baur: Die Bibel der Zeugen Jehovas, Informationsheft
des Katholischen Bibelwerkes e. V.
Die Neue-Welt-Übersetzung der Zeugen Jehovas
In der letzten Ausgabe unserer Information zur Bibel berichteten wir über den Gottesnamen Jehova. Die Neue-Welt-Übersetzung der Zeugen Jehovas (die sich über ihre Übersetzer ausschweigt und weder Namen noch Qualifikation der Übersetzer nennt) enthält viele Anpassungen des Bibeltextes an die Lehre der Sekte.
Einige Beispiele dazu:
1. Die Zeugen Jehovas bestreiten die
Dreifaltigkeitslehre.
a) Sie bestreiten deshalb auch, daß Jesus Christus und Gott-Vater eins sind.
Bibelstelle
Einheitsübersetzung:
Neue-Welt-Übersetzung
Joh 1,1
das Wort war Gott
das Wort war ein Gott
Inhaltliche Veränderung: Gott und das Wort werden getrennt
b) Die Zeugen Jehovas erkennen deshalb den Heiligen Geist nicht als göttliche
Person an.
Bibelstelle
Einheitsübersetzung:
Neue-Welt-Übersetzung:
1 Tim 4,1 der Geist sagt...
die inspirierte Äußerung sagt
Inhaltliche Veränderung: Aus der Person des Hl. Geistes wird ein literarisches
Element.
2. Wo das Neue Testament Jesus Christus als Herrn bezeichnet, setzen die
Zeugen Jehovas den Namen Jehova ein.
Bibelstelle
Einheitsübersetzung:
Neue-Welt-Übersetzung:
1 Kor 1,30 Wer sich rühmen will,
Wer sich rühmt,
der rühme sich des Herrn
der rühme sich in Jehova
Inhaltliche Veränderung: Es geht nicht mehr um Christus.
3. Die Zeugen Jehovas verändern bei der Übersetzung den Text
entsprechend ihrer Vorstellung vom Himmel (= „himmlische Regierung“) und vom
Ende der Welt.
Bibelstelle
Einheitsübersetzung:
Neue-Welt-Übersetzung:
Lk 23,43
Jesus antwortete ihm:
Und er sprach zu ihm:
Amen ich sage Dir:
Wahrlich ich sage Dir heute:
Heute noch wirst du
Du wirst mit mir im Paradiese sein,
mit mir im Paradies sein
Inhaltliche Veränderung: Eine dem griechischen Sprachgefühl widersprechende,
sachlich unsinnige Übersetzung wird gewählt, weil die der Lehre der Zeugen
Jehovas vom Paradies entspricht.
4. Die Zeugen Jehovas erkennen die wirkliche Gegenwart Jesu Christi beim
Altarsakrament nicht an.
Bibelstelle
Einheitsübersetzung:
Neue-Welt-Übersetzung:
Kor 11,24f
Das ist mein Leib...
Dies bedeutet meinen Leib...
Dieser Kelch ist der Dieser Becher
bedeutet den
neue Bund in meinem Blut neuen Bund
kraft meines Blutes.
Inhaltliche Veränderung: symbolische Interpretation der Abendmahlshandlung, die
nicht dem Text entspricht.
Literatur:
Wolfgang Baur: Die Bibel der Zeugen Jehovas, Informationsheft
des Katholischen Bibelwerkes e. V.
Wozu brauchen wir Christen das Alte Testament?
Das Alte Testament -
abgelöst durch das Neue Testament?
Der Sohn eines Bischofs aus Synope am Schwarzen Meer, Marcion, warb im 2. Jh. n. Chr. in der ganzen Christenheit dafür, man solle doch den Gott des Alten Testamentes verwerfen. Der Christengemeinde in Rom soll er eine Riesensumme Geldes angeboten haben, wenn sie sich bereit erkläre, nur noch an den Gott der Liebe zu glauben, den Christus verkündigte. Der Gott, der nach dem Zeugnis des Alten Testaments (AT) diese Welt voller Unheil schuf, der den Menschen ein hartes Gesetz auferlegte, um die Übertreter schwer zu strafen, müsse doch ein wahrer Teufel gewesen sein.
Die Kirche hat damals Marcions Lehre als Ketzerei verworfen und hält bis heute daran fest, daß der Gott des Alten Testaments der Vater Jesu Christi ist. Aber Marcions Denkweise ist bis heute anzutreffen. Und gibt das Alte Testament ihr nicht Nahrung?
2 Kön 9f: Im Auftrag des Propheten Elischa, der von Gott dazu bestellt wurde, salbt ein Prophetenschüler den Frontoffizier Jehu zum König. Jehu aber bahnt sich durch vielfache Morde den Weg zur Macht. - Soll die blutige Spur des Usurpators als Weg Gottes durch die Geschichte gelten?
Der evangelische Theologe A. v. Harnack hat in seinem Buch über Marcion noch 1920 dessen Lehre neu propagiert:
Das Alte Testament im 2. Jh. zu verwerfen, war ein Fehler, den die große Kirche mit Recht abgelehnt hat; es im 16.Jh. beizubehalten, war ein Schicksal, dem sich die Reformation noch nicht zu entziehen vermochte; es aber seit dem 19. Jh. als kanonische Urkunde im Protestantismus noch zu konservieren, ist die Folge einer religiösen und kirchlichen Lähmung.
Ein so scharfes Urteil findet sich auf katholischer Seite kaum. Aber auch hier lassen sich Stimmen beibringen, wonach sich im Alten Testament eine „in Christus überwundene, niedrigere Stufe der Glaubensgeschichte“ spiegele (Holländischer Katechismus 1968).
Die christliche Bezeichnung der heiligen Schriften Israels als „Altes Testament“ ist unglücklich, auch wenn sie sich auf 2 Kor 3,14 berufen kann; sie weckt den Anschein, als ob es sich um ein längst überholtes Dokument aus der Vorgeschichte unseres Glaubens handele. Holen wir Christen es nur aus historischer Neugier hervor? Oder ist es für uns „geltendes Recht“? Weist es unserem Glauben den Weg? Alt hat in unserer fortschrittsgläubigen Welt mit ihrem Jugendwahn den Beigeschmack von verbraucht, überholt. Wir sollten uns daher angewöhnen, statt vom „Alten Testament“ besser vom „Ersten Testament“ zu reden.
Das Alte Testament erzählt nicht nur von der Vorgeschichte unseres Glaubens; es ist seit dem Kommen Christi nicht überholt. Es weist als weiterhin gültiges Gotteswort, als Zeugnis von der unaufhebbaren Treue Gottes unserem Glauben den Weg.
Literatur:
Annemarie Ohler: Grundwissen Altes Testament, Band 1:
Pentateuch; Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH, ISBN 3-460-32431-7
Redewendungen aus der Bibel
Die Bibel hat nicht nur unseren Glauben geprägt. Viele Bilder und Zitate gingen als „geflügelte Worte“ in die Alltagssprache ein.
Das ist ja ein Tohuwabohu
Tohu wa bohu heißt auf hebräisch
„wüst und
leer“. So sah die Erde nach dem ersten Schöpfungstag anfangs aus (Gen 1,2).
Du suchst wohl einen Sündenbock?
Im Buch Levitikus (3 Mose) ist beschrieben,
wie Israel das große Versöhnungsfest begangen hat: Für alle im Laufe eines
Jahres angesammelte Schuld des Volkes werden zwei Böcke eingesetzt. Der eine
wird als Sühnopfer geschlachtet, dem anderen werden durch Handauflegung die
Sünden Israels aufgeladen. Dann wird er im wahrsten Sinne des Wortes „zum Teufel
geschickt“, nämlich zum Wüstendämon Asael (Lev 16).
Der Mensch denkt und Gott lenkt
Lebensweisheit aus dem Buch der Sprichwörter (Spr 16,9).
Jemand die Leviten lesen
Das 3. Buch Mose (Levitikus) enthält
umfangreiche Verhaltensregeln. Sie betreffen den Gottesdienst und die Opfer, die
von den Leviten durchgeführt werden, aber auch das Leben in der menschlichen
Gemeinschaft überhaupt (Levitikus).
Von Pontius zu Pilatus gehen
Jesus wurde im Prozeß von Pontius Pilatus, der
zunächst keinen Anlaß sieht, Jesus zu verurteilen, zu Herodes als den für Jesus
zuständigen Landesherrn geschickt. Dieser sandte ihn wieder zu Pilatus zurück (Lk
23).
Du redest wie ein Pharisäer
Die besonders fromme Gruppe der Pharisäer
gerät im Neuen Testament in die Kritik, sich selbst besser hinzustellen, als sie
sei (Lk 18,9 - 14).
Und viele andere:
Etwas ausposaunen (Mt 6,2)
Ein Dorn im Auge (Num 23,55)
Im Dunkeln tappen (Dan 28,23)
Der wahre Jakob (Gen 27,36)
Mit Füßen treten (Sam 2,29)
Gift und Galle (Dtn 32,33)
Auf keinen grünen Zweig kommen (Ijob 15,32)
Jugendsünden (Ps 25,7)
Alles hat seine Zeit (Koh 3,1)
Brief und Siegel (Jer 32,44)
Wolf im Schafpelz (Mt 7,15)
Ein Herz und eine Seele sein (Apg 4,32)
Literatur:
Heribert Steger: 333 biblische Redensarten; Pattloch, ISBN 3 -
629 - 00828 - 3
Stuttgarter kleiner Bibelführer, Katholisches Bibelwerk, ISBN
3 - 460 - 30055 - 8
Die Namen der Bibel
Stellen Sie sich eine große Menschenmenge vor, die gebannt ein Ereignis betrachtet. Rufen Sie von hinten etwa laut „Hallo“, wird sich kaum jemand umdrehen. Rufen Sie aber einen bestimmten Namen, etwa Monika oder Fritz, so werden sich bestimmt die Träger dieses Namens zuwenden. Die Kenntnis des Namens verleiht Ihnen gewissermaßen die Macht, Köpfe drehen zu lassen. (Und nicht nur das, denken Sie nur an unser deutsches Märchen vom Rumpelstielzchen.) Deshalb wird in vielen Kulturen der eigene Name nicht ohne weiteres einem Fremden anvertraut.
Wer die Macht hat, kann Namen vergeben. Wir heutigen Menschen haben die Kunst, sprechende Namen zu geben, längst verlernt. Unser Stammvater Adam hat sie besessen. Von ihm lesen wir: „Gott, der Herr, formte aus dem Ackerboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und führte sie dem Menschen zu, um zu sehen, wie er sie benennen würde. Und wie der Mensch jedes lebendige Wesen benannte, so sollte es heißen. Der Mensch gab Namen allem Vieh, den Vögeln des Himmels und allen Tieren des Feldes.“ So sollte sich der berufene Herr der Schöpfung in diesem Akte zugleich seiner Machtvollkommenheit bewußt werden und sich als der König aller Kreatur legitimieren. Denn das Geheimnis des Namens ist das Geheimnis der Beherrschung des Genannten. Deshalb fragte Jakob bei seinem Kampf mit Gott: Nenne mir doch deinen Namen! Jener entgegnete: Was fragst du mich nach meinem Namen? Und wer die Macht hatte, konnte auch einen Namen ändern. In Gen 35,10.11 finden wir: „Gott sprach zu ihm: Dein Name ist Jakob. Dein Name soll jedoch nicht mehr Jakob lauten, sondern Israel soll dein Name sein.“ Er gab ihm also den Namen Israel. Und Gott sprach zu ihm: Ich bin Gott, der Allmächtige. Die Eigennamen von Personen, Orten, Lebewesen und Dingen werden in unseren Bibelübersetzungen in der Lautschrift wiedergegeben. Leider beherrschen nur wenige Christen die hebräische Sprache, um die Bedeutung der Namen zu verstehen, die von wenigen Ausnahmen abgesehen meist nicht übersetzt werden. (Beispiel aus der Einheitsübersetzung: Als Zippora Mose einen Sohn gebar, nannte er ihn Gerschom (Ödland) und sagte: „Gast bin ich im fremden Land.“ [Ex 2,22]). So lassen auch sonst ganz unbekannte Namensträger Rückschlüsse auf die familiären oder völkischen Verhältnisse der betreffenden Zeitepoche zu, manche bezeichnen einen Beruf oder geben die körperliche Verfassung eines Kindes an, auch Wunschnamen religiöser Art sind nicht selten. So läßt sich Israel als „Gotteskämpfer“, „Gottesstreiter“, „der mit Gott kämpft“, „Ringer mit Gott“, „der, für den Gott streitet“ übersetzen.
Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin. Joh 17,26
Daher beuge ich meine Knie vor dem Vater, nach dessen Namen jedes Geschlecht im Himmel und auf der Erde benannt wird, Eph 3,14.15
Lesen Sie doch einmal das kurze Buch Rut - es
hat nur 4 Kapitel - und beachten dabei die Bedeutung der folgenden Namen:
Elimelech:
(Mein) Gott ist König
Noomi:
die Liebliche
Mara:
die Bittere
Machion:
der Kränkliche
Kiljon:
der Schwächliche
Rut:
die Freundin, Erquickung
Orpa:
die den Rücken Kehrende
Boas:
in ihm ist Kraft, der Potente
Obed:
Diener, Knecht (Gottes)
Text 19 vom 09. September 2005
Ätiologie
Unter einer Ätiologie versteht man den Versuch, etwa durch Sagen auffälliger Erscheinungsformen, Bräuche und Namen erklären zu wollen.
Bei Namensätiologien wird etwa der Name einer Person oder eines Ortes von einem ähnlich klingenden Wort abgeleitet. Dabei kann die Namensgebung samt Erklärung einer Person der Vorzeit in den Mund gelegt werden. So behauptet etwa Gen 4,25 Eva habe ihren dritten Sohn Set (hebr.: Set) genannt, weil sie sagte „Gott hat mir einen Namen angesetzt.“ (hebr.: §it). Ähnlich werden in Gen 29,31-30,24 die Namen der Jakobssöhne begründet. Manchmal wird keine besondere ausdrückliche Erklärung gegeben, aber aus dem Zusammenhang der Erzählung wird der Name so gewählt, daß dem Leser oder Hörer der Zusammenhang ohne weiteres einleuchtet. So wird der erste Mann Adam genannt, wobei ohne weiteres die Bedeutung „Erdling“ anklingt, weil im Hebräischen das Erdreich, aus dem der Mensch angeblich genommen wurde, „adämäh“ heißt. Der Sohn des Stammelternpaares, der schon bald dem Mordanschlag seines Bruders Kain erliegt, heißt Abel (hebr.: haebael = Lufthauch), weil sein Leben wie ein Windhauch vergeht. Oft genügt zur Erklärung eines Namens dem Erzähler ein entsprechender ferner Anklang an ein hebräisches Wort. So bringt er z. B. den Namen der Stadt Babel (babylonisch: bab ili = Gottestor) in Gen 11,9 mit dem hebräischen Wort „bälal“ = verwirren in Verbindung und versteht ihn als „Wirrsal.“
Ortsätiologien kommen besonders häufig im Buch Josua vor. Sie erklären äußere Erscheinungsformen gewisser Orte aus einem geschichtlichen Ereignis. So werden die lange nach der Landnahme Israels in Trümmern liegenden Ruinenstädte von Jericho und Ai in Jos 6 und 7 daraus erklärt, daß dort Josua zwei kanaanäische Städte erobert und total zerstört habe, obwohl nach den Erkenntnissen der modernen Archäologie jene Ruinenstädte zur Zeit Josuas schon seit Jahrhunderten Trümmerfelder waren, weil sie unter anderen, Israel unbekannten Umständen zerstört worden sind.
Eine andere Art Ätiologien dienen zur Erklärung auffallender geologischer Formationen: Die wegen des hohen Salzgehaltes und umfangreicher Schwefelvorkommen fast jedes Leben entbehrende Umgebung des Toten Meeres erklärt die Erzählung um Sodom und Gomorra in Gen 19 aus einem verheerenden Strafgericht, das eine blühende Gegend durch Schwefel- und Feuerregen für immer verwüstete. In Gen 19,26 wird eine auffallende Salzgesteinformation als die in Salz verwandelte Frau Lots gedeutet.
Ätiologien zur Erklärung auffallender Erscheinungen in der Natur: Dem Strafurteil über die Schlange in Gen 3,14f könnte eine doppelte Ätiologie zugrunde liegen: einmal, um das Kriechen der Schlangen auf ihrem Bauch im Unterschied zum Gehen und Springen der anderen Tiere mittels der Beine, zum andern das Phänomen, daß Schlangen bei ihrem Auftauchen besonders Frauen in Schrecken versetzen, zu erklären.
Literatur:
Josef Scharbert: Die neue Echter - Bibel, Band
5, ISBN 3 - 429 - 00793 - 3
Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde
Betrachtet man den Weltraum mit seinen Milliarden von Galaxien und mitten drin unsere phantastische Erde, so fangen heute auch die skeptischsten Wissenschaftler an, am Zufall zu zweifeln. 600 Jahre vor Christus sangen die Juden in der Verbannung in Babylon das großartige Lied, das beschreibt, wie Gott in einer Woche die Welt erschuf. Sie wollten damit keinen Bericht abliefern, der naturwissenschaftliche Erkenntnisse über die Entstehung der Welt enthält. Ihnen war es wichtig darzustellen, daß die fast unglaublichen Möglichkeiten unseres Daseins in einer Umgebung, die alles bereit hält, was wir zum Leben benötigen, von Gott geschaffen wurde.
Noch heute zählt der jüdische Kalender deshalb die Jahre seit der Schöpfung (auch wenn dies keine historische Zählung ist). Das Jahr 2004 nach Christus ist in Israel das Jahr 5764 nach der Schöpfung.
Das Weltbild des Schöpfungsliedes unterscheidet sich stark von unserem
heutigen. Drei Grundaussagen spiegelt dieses Weltbild (Gen 1,1-2,4a):
1. Alle Teile der Schöpfung hängen zusammen. Der Mensch (Adam) mit seinem
Blut (Dam) stammt von der Erde (Adama); das Meer (Majim) liegt unter dem Bogen
des Himmels (Scham-Majim).
2. Schöpfung bedeutet Begrenzung (Wasser und Land; Licht und Dunkel; Mensch
und Tier). Der Mensch muß lernen, mit seinen Grenzen zu leben, dann wird es ihm
in der Schöpfung wohl ergehen.
3. Die bedrohlichen Mächte (Urflut) sind auch in der Schöpfung vorhanden,
aber wer dem Schöpfer vertraut, braucht sich nicht zu fürchten.
Psalm 8
2 Herr, unser Herrscher,
wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde;
über den Himmel breitest du deine Hoheit aus.
3 Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge schaffst du dir Lob,
deinen Gegnern zum Trotz;
deine Feinde und Widersacher müssen verstummen.
4 Seh ich den Himmel, das Werk deiner Finger,
Mond und Sterne, die du befestigt:
5 Was ist der Mensch, daß du an ihn denkst,
des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst?
6 Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott,
hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.
7 Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über das Werk deiner Hände,
hast ihm alles zu Füßen gelegt:
8 All die Schafe, Ziegen und Rinder
und auch die wilden Tiere,
9 die Vögel des Himmels und die Fische im Meer,
alles, was auf den Pfaden der Meere dahinzieht.
10 Herr, unser Herrscher,
wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!

Die Tora I
Der Terminus „Tora“ (hebräisch „torah“) besagt in seiner
Grundbedeutung „Lehre, Unterweisung“. So wird er auch von Rosenzweig/Buber
richtig mit „Weisung“ übersetzt. Die Wiedergabe mit „nomos“ = Gesetz so zuerst
in der griechischen Bibel und mit „lex“ in der lateinischen Bibel erfaßt nur
einen Teilaspekt und ist eine zu Mißverständnissen Anlaß gebende
Bedeutungsverengung.
Im speziellen Gebrauch umschreibt der Terminus die fünf
Bücher Mose in der Bibel.
Übliche Bezeichnungen:

In der allgemeinen Bedeutung umschreibt der Begriff Tora das ganze Korpus des traditionellen jüdischen Gesetzes, das bereits in Spr 8,22ff; Sir 24,1ff.23ff mit der präexistenten Weisheit Gottes identifiziert wird. Mit Hilfe der Tora hat Jahwe die Welt erschaffen, erhält er die Weltordnung und den Bestand der Welt, ein Aspekt, den besonders die mittelalterliche Kabbala betonte. Die Tora wurde Mose am Sinai von Gott offenbart, muß aber nach jüdischer Auffassung durch die fortwährende Auslegung durch autorisierte Rabbiner (Toralehrer, Toraschulen) aktualisiert werden. Die Gabe der Tora an Israel konstituierte Israel als das erwählte Volk Gottes, das in Hoffnung auf die Vollendung der Geschichte durch Gott seine Tora als Unterpfand der Erlösung Israels und aller Völker einhält und in paradigmatischem Toragehorsam erfüllt. Das orthodoxe Judentum hält am Grundsatz der Unveränderbarkeit der Tora fest.
Die Mitte des Judentums ist eine Offenbarung, und diese Offenbarung ist in fünf Schriftrollen = Büchern niedergeschrieben. Diese Schriftrollen sind das Herz des Judentums. Die gesamte jüdische Literatur ist nur ein umfassender Kommentar dazu. Stellen Sie sich einen Querschnitt durch einen Baumstamm vor. Der innerste Ring ist die Tora - die Lehre, die Weisung, das Gesetz -, und um sie herum schließen sich Ring um Ring die Kommentare und Erörterungen, wie jede Generation die eigene Lebenserfahrung in die Erfahrungen des Volkes einbringt.
Literatur:
Johann Maier / Peter Schäfer: Kleines Lexikon des Judentums, Kath. Bibelwerk;
ISBN 3 - 460 - 32001 - X
Paul-Gerhard Müller: Lexikon exegetischer Fachbegriffe, Kath Bibelwerk, ISBN
3 - 460 - 27011 - X
Lionel Blue: Wie kommt ein Jude in den Himmel? Kösel; ISBN 3 - 466 - 20101 -
2
Die Tora II
Die Tora ist der Grundstein des jüdischen Glaubens. Sie wird auch als „Pentateuch“ bezeichnet, da sie aus den 5 Büchern Mose besteht (griech. „penta“ = 5). Der Begriff „Tora“ kommt aus dem Hebräischen und heißt soviel wie Lehre, Unterweisung, Gesetz.
Inhalt:
1. BERESCHIT - Genesis - das erste Buch Mose
Man unterscheidet zwei Hauptabschnitte:
a) Urgeschichte (Kapitel 1-11)
b) Patriarchengeschichten (Kapitel 12-50)
In der Patriarchengeschichte unterscheidet man
Die Geschichte der Erzväter (Kapitel 12-36) und
Die Geschichte der Söhne Jakobs (Kapitel 37-50)
Die theologische Bedeutung des Buches liegt in seinen
Aussagen über Gott als den Schöpfer der Welt und den Herrn der Geschichte.
2. SCHEMOT - Exodus - das zweite Buch Mose
Das Buch Exodus ist vom Buch Genesis deutlich abgehoben.
Es schildert die weiteren Schicksale der Nachkommen Jakobs, die in Ägypten
zu einem großen Volk werden. Wesentlicher Bestandteil des Buches ist die
Schilderung des Auszugs der Israeliten unter Führung des Mose.
Das Buch ist von großer theologischer Bedeutung wegen der
Aussagen über die Erlösung aus Knechtschaft durch das rettende Eingreifen
Gottes, über den Bund zwischen Gott und dem Volke Israel, über Mose als
Führer des Volkes, den Mittler des Bundes
3. WAJIKRA - Leviticus - das dritte Buch Mose
Das Buch trägt den griechischen und lateinischen Titel
Levitikus, weil es fast ganz aus Vorschriften für den Kult für die Priester
aus dem Stamme Levi besteht. Wenn auch diese Vorschriften durch das Neue
Testament überholt sind, behält das Buch seine Bedeutung für die Kenntnis
des Judentums und für das Verständnis des Neuen Testaments. Durch die
strenge Befolgung der levitischen Gesetze hat das Judentum bis heute seine
Identität bewahrt und ist nicht im Völkergemisch des Mittelmeerraumes
aufgegangen.
4. BEMIDBAR - Numeri - das vierte Buch Mose
Das Buch trägt in der lateinischen Bibel den Namen Numeri
= Zählungen, weil es mit der Zählung, beziehungsweise Musterung, der
wehrfähigen Israeliten beginnt. Die Geschichtsdarstellung und die Gesetze
im Buch Numeri sollen Israel an die verhängnisvollen Folgen des Murrens
gegen Gott, das Aufbegehren gegen Mose und gegen die priesterliche
Kultordnung, des Götzendienstes und des mangelnden Vertrauens gegen den
Bundesgott erinnern.
5. DEBARIM - Deuterononium - das fünfte Buch Mose
Das Buch erzählt von den letzten Lebenstagen des Mose und
schließt den Pentateuch ab. Vor seinem Tod verkündet Mose noch einmal das
Gesetz vom Sinai. Deshalb trägt es in der griechischen und lateinischen
Bibel den Namen Deuteronomium = Zweites Gesetz.
Das Buch stellt sich jetzt als eine Sammlung von
Mosereden dar, die durch ein Überschriftensystem in vier Teile gegliedert
ist:
1,1- 4,43 „Rede“ des Mose / Rückblick und Mahnung
4,44 – 28,68 „Weisung“ des Mose / Verkündigung des
Gesetzes
28,69 – 32,52 „Worte, mit denen der Bund geschlossen
wurde“ / letzte Verfügungen des Mose
33,1 29 „Segen“ des Mose
mit angehängtem Bericht über seinen Tod und sein Begräbnis.
Literarische Gattungen
Eine feurige parteipolitische Überzeugungsrede zeigt naturgemäß andere sprachliche Kennzeichen als ein trockener Börsenbericht, ein sachliches Polizeiprotokoll zeigt eine andere Form als ein glühender Liebesbrief. Kann man die literarische Gattung eines Textes bestimmen, so läßt dies Rückschlüsse auf die Aussageabsicht des Autors zu.
Ein Beispiel dafür sind zwei Fabeln in der Bibel:
1. Die Fabel vom Dornbusch, dem König der Bäume
Jotam erzählt sie, um den blutrünstigen Abimelech
bloßzustellen:
7Hört auf
mich, ihr Bürger von Sichern, damit Gott auf euch hört.
8Einst machten sich die Bäume
auf, um sich einen König zu salben, und sie sagten zum Ölbaum: Sei du
unser König! 9Der Ölbaum
sagte zu ihnen: Soll ich mein Fett aufgeben, mit dem man Götter und
Menschen ehrt, und hingehen, um über den anderen Bäumen zu schwanken?
10Da sagten die Bäume zum
Feigenbaum: Komm, sei du unser König!
11Der
Feigenbaum sagte zu ihnen: Soll ich meine Süßigkeit aufgeben und meine
guten Früchte und hingehen, um über den anderen Bäumen zu schwanken?
12Da sagten die Bäume zum
Weinstock: Komm, sei du unser König!
13Der
Weinstock sagte zu ihnen: Soll ich meinen Most aufgeben, der Götter und
Menschen erfreut, und hingehen, um über den anderen Bäumen zu schwanken?
14Da sagten alle Bäume zum Dornenstrauch: Komm, sei du unser
König! 15Der Dornenstrauch
sagte zu den Bäumen: Wollt ihr mich wirklich zu eurem König salben?
Kommt, findet Schutz in meinem Schatten! Wenn aber nicht, dann soll vom
Dornenstrauch Feuer ausgehen und die Zedern des Libanon fressen.
Richter 9,7-15
2. Eine andere Fabel vom Dornstrauch
Joasch erzählt sie, um Amazja, den König von Juda zu verspotten:
8Damals sandte Amazja Boten an Joasch, den Sohn des Joahas, des
Sohnes Jehus, den König von Israel, und ließ ihm sagen: Komm, wir wollen (im
Kampf) einander gegenübertreten. 9Doch Joasch, der König von Israel
ließ dem König Amazja von Juda sagen: Der Dornstrauch auf dem Libanon ließ der
Zeder auf dem Libanon sagen: Gib deine Tochter meinem Sohn zur Frau! Aber die
Tiere des Libanon liefen über den Dornstrauch und zertraten ihn.
2 Könige 14,8-9
Lebendige Bibel: Shema' Jisra'el
Ein wichtiger Text der Bibel, nicht nur für das Judentum, ist das Shema' Jisra'el - Höre Israel! - benannt nach den Anfangsworten aus Dtn 6,4, besteht heute aus drei Bibelabschnitten: Dtn 6,4-9; Dtn 11,13-21 und Num 15,37-41, die von verschiedenen Benediktionen (Preis- und Dankgebeten) eingerahmt sind. Es war ursprünglich Bestandteil der Tempelliturgie und wird im Synagogengottesdienst beim täglichen Morgen- und Abendgottesdienst gebetet. Zur Zeit des Frühjudentums gehörte wahrscheinlich auch der Dekalog zu den Bibelabschnitten des Schema'. Häufig von jüdischen Märtyrern als Bekenntnis zum einen und einzigen Gott des Judentums gebetet, ist das Shema' ein verbreitetes Gebet während der Todesstunde geworden.
Gen 6:
»4Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist
einzig. 5Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem
Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. 6Diese Worte, auf die
ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen. 7Du
sollst sie deinen Söhnen wiederholen. Du sollst von ihnen reden, wenn du zu
Hause sitzt und wenn du auf der Straße gehst, wenn du dich schlafen legst und
wenn du aufstehst. 8Du sollst sie als Zeichen um das Handgelenk
binden. Sie sollen zum Schmuck auf deiner Stirn werden. 9Du sollst
sie auf die Türpfosten deines Hauses und in deine Stadttore schreiben.«
Zum Nachdenken:
Wie gehen wir mit der Verpflichtung um, unseren Glauben an unsere Nachfolger
weiterzugeben ?
Dazu Daten einer Untersuchung von Jürgen Zinnecker, Leiter des Zentrums für
Kindheits-, Jugend- und Biographieforschung, veröffentlicht als Studie „Null
Zoff & voll busy“ aus dem Jahr 2002; zitiert in Rheinischer Merkur 04. 08. 2005:
Religiöse Selbstbilder der jungen Generation

Literatur:
Johann Maier / Peter Schäfer; Kleines Lexikon des Judentums; Katholisches
Bibelwerk
Das Katholische Bibelwerk
Das Katholische Bibelwerk wurde 1933 als Bibelbewegung aus Laien und Theologen gegründet. Mit seinen heute etwa 22 000 Mitgliedern versteht es sich als Gemeinschaft von Menschen, die aus dem Worte Gottes leben und es in der Kirche lebendig erhalten wollen. Neben der Zentrale in Stuttgart arbeitet in jeder Diözese ein vom jeweiligen Bischof ernannter „Diözesanleiter“! Er steht den Mitgliedern in allen Fragen der Bibelarbeit gerne zur Verfügung. Zeitschriften helfen, miteinander in Kontakt zu bleiben und in der Bibelarbeit immer auf dem neuesten Stand zu sein:
Bibel heute
ist eine der beiden Mitgliederzeitschriften
des Katholischen Bibelwerks und erscheint viermal jährlich. Jede Ausgabe ist
einem bestimmten biblischen Thema gewidmet. „Bibel heute“ ist gut lesbar,
illustriert und praxisnah. Biblische Texte und Themen werden allgemein
verständlich für die Gegenwart erschlossen. Zielgruppe sind alle an der Bibel
Interessierte, sowie Seelsorgerinnen und Seelsorger, Absolventen/Innen von
Theologiekursen und Mitglieder von Bibelkreisen.
Bibel und Kirche
Das Anliegen der Mitgliederzeitschrift
„Bibel
und Kirche“ ist es, biblische Forschung allgemein verständlich für die Praxis
aufzubereiten und so einem breiteren theologisch vorgebildeten Publikum zu
erschließen. „Bibel und Kirche“ erscheint viermal jährlich. Jedes Heft behandelt
ein zentrales biblisches Thema. Eine „Biblische Bücherschau“ informiert über
aktuelle Neuerscheinungen, über Bücher zum Thema des Heftes und über
Arbeitshilfen für die Praxis. Sie können sich am Leserdiskussionsforum
„Zwischenruf“ zu brisanten biblischen und kirchlich relevanten Themen
beteiligen. Außerdem finden Sie aktuelle Informationen über Bibelkurse in Ihrer
Nähe sowie andere interessante Meldungen aus der Welt der Bibel.
Welt und Umwelt der Bibel
informiert wissenschaftlich fundiert,
allgemein verständlich und reich bebildert über Themen rund um die „Welt und
Umwelt der Bibel“. Sie werden in die Länder des Vorderen Orients entführt und
lernen deren Religionen und Kulturen kennen. Über die Beschäftigung mit diesen
Kulturen stößt man schnell auf theologische Fragen nach Gott, nach Göttern, nach
Kult und religiösen Vorstellungen. Außerdem bietet Ihnen „Welt und Umwelt der
Bibel“ Internetlinks zum Thema, Büchertipps, Reportagen über den Alltag zur Zeit
der Bibel, über Museen mit biblischen Ausstellungen, Berichte über neue
archäologische Ausgrabungen, Ausstellungshinweise, Leserreisen...
Die Mitgliedschaft hat Vorteile:
• Sie werden über biblische Fortbildungskurse
informiert
• Sie können sich in allen Fragen zur Bibel an
das Bibelwerk wenden
• Sie erhalten eine qualifizierte Antwort
• Das Bibelwerk bieten Ihnen biblische
Fernkurse an
• Das Bibelwerk berät Sie bei der Planung
Ihrer Bibelarbeit
• Das Bibelwerk informiert Sie ständig über
Neuerscheinungen auf dem Gebiet der Bibelwissenschaft
• Sie erhalten Sonderangebote zu Büchern des
Verlages Katholisches Bibelwerk
• Sie unterstützen die Verbreitung der Bibel
Sie erreichen das Bibelwerk über:
Post: Katholisches Bibelwerk e. V.
Silberburgstr. 121, 70176 Stuttgart
Internet: http://www.bibelwerk.de
E-Mail:
bibelinfo@bibelwerk.de
Irrtümer der Bibel -
Die neuzeitlichen Naturwissenschaften und das AT
Das Alte Testament ist als Ganzes dem alten Weltbild verhaftet. Die Texte des Alten Testamentes sprechen in der Sprache des Augenscheins. Und das ist eben nicht die Sprache der naturwissenschaftlichen Erkenntnis. Die Autoren der Bibel leben eben in einer Zeit, in der man sich zum Beispiel die Erde als Scheibe vorstellte. Die Welt ist eine Scheibe, die auf Pfeilern über dem Süßwasserozean ruht. Und dieses Gebilde wiederum wird umspült von einem gigantischen Salzwasserozean. Über allem wölbt sich der Himmel als Kristallschale, wobei in diese Schale die Bahnen für die Gestirne eingelassen sind. Dieses Weltbild schlägt natürlich durch die Schilderungen der alttestamentlichen Verfasser immer wieder durch. Und für viele ist das mit ein Grund, die Bibel beiseite zu legen.
(Darüber hinaus finden sich natürlich auch eine Fülle ganz handfester Irrtümer. Viel zitiert ist Lev 11,6: „Ihr sollt für unrein halten den Hasen, weil er zwar wiederkäut, aber keine gespaltenen Klauen hat.“ Diese Einreihung des Hasen unter die Wiederkäuer ist einer der bekanntesten Irrtümer im Alten Testament.) Als dann im 16. Jahrhundert das kopernikanische Weltsystem entwickelt wurde, kam es zu dem bekannten Streit um Galilei, eine Tragödie ganz eigener Art. In diesem Streit behauptete man nämlich, daß das kopernikanische Weltsystem mit der Lehre der Bibel unvereinbar sei, weil es dem Weltbild der Bibel nicht entsprach. Dies ist ein entscheidender Fehler, den man damals machte. Man stellte die Lehre der Bibel mit dem Weltbild der Bibel auf eine Stufe. Das kopernikanische Weltsystem widersprach dem Weltbild der Bibel. Das ist aber noch einmal etwas ganz anderes als die Lehre der Bibel, die schon durch ihre zwei unterschiedlichen Schöpfungsberichte zu erkennen gibt, daß es ihr wesentlich um eine Glaubensaussage geht - Gott hat die Welt erschaffen - und nicht um eine hieb- und stichfeste naturwissenschaftliche Erklärung über die Entstehung der Welt. Die Bibel ist schließlich kein naturwissenschaftliches Buch. Sie ist ein religiöses Buch. Und als solches macht sie zunächst einmal keinerlei naturwissenschaftliche Aussagen. Eine Einsicht, die viel zu spät kam. Dies desavouierte das Alte Testament für viele fortschrittlich eingestellte Menschen.
In den gleichen Zusammenhang gehört das Mißverständnis, daß jeder erzählende Text der Bibel als historischer Bericht zu verstehen sei. Auch heute findet man aber Bibelausgaben und Kommentare, bei denen zu jedem Ereignis jeweils angegeben ist, wann das betreffende Ereignis stattgefunden hat. Die Bibel, besonders das Alte Testament, ist jedoch in keiner Weise mit einem wissenschaftlichen Geschichtsbuch zu verwechseln. Und das nicht nur deshalb, weil es zur Zeit seiner Abfassung noch keine Historiographie im modernen Sinne gab, sondern ganz einfach, weil der Gegenstand der biblischen Offenbarung nicht einfachhin profane Geschichte ist.
Dort, wo erzählende Texte des AT wirklich Geschichte berichten wollen, dort haben diese Texte durch die neueren Ausgrabungen eine glänzende Rechtfertigung gefunden. Das heißt aber umso mehr, daß ich zunächst sehr genau hinschauen muß, was der entsprechende Text denn von sich aus sagen möchte. Manchmal scheinen zwei Passagen widersprüchlich zu sein, weil die Übersetzung nicht so genau ist, wie sie sein könnte. Die Kenntnis der ursprünglichen Sprachen der Bibel kann Leseschwierigkeiten sofort beseitigen, denn sowohl das Griechische, als auch das Hebräische besitzen - wie alle Sprachen -Besonderheiten, die es schwierig machen, sie ins Deutsche oder eine andere Sprache zu übertragen. Ein klassisches Beispiel dafür ist der Bericht über die Bekehrung des Paulus, wie er in der Apostelgeschichte wiedergegeben wird. Apostelgeschichte 9,7 besagt: „Seine Begleiter standen sprachlos da; sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemand.“ Apostelgeschichte 22,9 lautet: „Meine Begleiter sahen zwar das Licht, die Stimme dessen aber, der zu mir sprach, hörten sie nicht.“ Diese Aussagen scheinen widersprüchlich, wenn die eine besagt, daß die Begleiter des Paulus eine Stimme hörten, während der andere Bericht sagt, daß keine Stimme zu hören war. Doch Kenntnis des Griechischen löst dieses Problem. Wie der Fachmann für Griechisch, W.F. Arndt erklärt:
Die Konstruktion des Verbs hören („akovo“) in beiden Berichten ist nicht dieselbe. In Apostelgeschichte 9,7 wird es mit dem Genitiv, in Apostelgeschichte 22,9 mit dem Akkusativ gebraucht. Die Konstruktion mit dem Genitiv besagt einfach, daß man etwas hört oder, daß gewisse Klänge das Ohr erreichen; damit wird nicht angezeigt, ob eine Person das, was sie hört, auch versteht oder nicht.
Die Konstruktion mit dem Akkusativ jedoch beschreibt ein Hören, das geistiges Begreifen der gehörten Mitteilung einschließt. Daraus wird offensichtlich, daß die beiden Passagen einander nicht widersprechen. Apostelgeschichte 22,9 leugnet nicht, daß die Begleiter des Paulus irgendwelche Laute hörten; es wird einfach erklärt, daß sie das Gesagte zwar hörten, aber nicht verstanden. Unsere Sprache ist in diesem Fall einfach nicht so ausdrucksvoll, wie die griechische.
(Does the Bible Contradict Itself, S. 13-14).
Geschichtsschreibung der Bibel –
objektiv oder eine Glaubensaussage ?
Auch Herodot wollte die Geschichte der Völker in seinen „Historiae“ beschreiben, obwohl er dafür kaum schriftliche Quellen zur Verfügung hatte, sondern auf die Mythen und mündlichen Traditionen angewiesen war, die er sich auf seinen weiten Reisen von Priestern und Weisen erzählen ließ. Und noch Livius mußte auf Mythen, Sagen und Epen zurückgreifen, wenn er die Vor- und Frühgeschichte Roms darstellen wollte. So mußten sich auch die „Geschichtsschreiber“ Israels aus den verschiedenartigen Überlieferungen ihres Volkes und vielleicht gelegentlich aus Fragmenten epischer Dichtung - so besonders bei der Sintflutgeschichte, von der Fragmente ihrer babylonischen Vorlage in Palästina gefunden wurden, - eine Vorstellung davon machen, wie es „im Anfang“ ausgesehen hat und auf der Erde zuging. Weil gläubige Juden und Christen und auch die Theologen bis in die neueste Zeit herein Mythen, Sagen und Märchen in ihrem Eigenwert verkannten, ja nicht selten als „Lügen“ und „Erfindungen der Phantasie“ abwerteten und die Eigenart antiken Geschichtsverständnisses nicht durchschauten, hat man die biblischen „Geschichtsbücher“ einschließlich Gen 1-11 mit den Maßstäben objektiver Geschichtsforschung gemessen oder aus einer falsch verstandenen Inspirationslehre, nach der „Gott nicht lügen kann“, als zuverlässige Geschichtsschreibung gedeutet. Man gab freilich zu, daß die biblischen „Geschichtsschreiber“ eine bildhafte Sprache gebrauchten, meinte aber, daß im wesentlichen alles genau so gewesen sein und sich wenigstens in großen Entwicklungen so abgespielt haben müsse, wie es die Bibel schildert. Wenn „Gott nicht lügen kann“, dann müssen, so meinte man, auch die in der Bibel erwähnten Naturphänomene und Naturereignisse streng nach den biblischen Angaben zu erklären sein.
Dann muß die Erde der Mittelpunkt der Welt sein, und dann müssen die Weltelemente, die Gestirne, die Pflanzen, Tiere und Menschen durch das schöpferische Wort Gottes in der Reihenfolge entstanden sein, wie es der „erste Schöpfungsbericht“ darstellt, wenn man auch zugab, daß die dort erwähnten sieben Tage, weil ja bei Gott „tausend Jahre wie ein Tag sind“, sehr lange Zeiträume sein können. Diese Mißverständnisse waren die Ursache für den immer mehr sich verbreiternden Graben, der sich in der Neuzeit zwischen der Bibelwissenschaft und der Theologie überhaupt auf der einen Seite und der sich entwickelnden Geschichts- und Naturwissenschaft auf der anderen Seite auftat.
Erst die modernen literaturwissenschaftlichen Methoden der Literarkritik, der Form- und Gattungskritik, der Überlieferungs- und Redaktionskritik, angewandt auf die biblischen und die ihnen verwandten altorientalischen Texte, die vergleichende Mythen-, Sagen- und Märchenforschung und die Erforschung des altorientalischen Weltbildes und des semitischen Denkens haben uns Märchen, Sagen und Mythen als wertvolle Zeugnisse frühen Denkens, Weltverständnisses und Erfahrungswissens verstehen gelehrt und uns gezeigt, daß es darin nicht so sehr um Auffassungen von geschichtlichen Ereignissen, als vielmehr um das Erfassen des Wesens der Dinge, des Menschen, der Welt und der Beziehungen von Welt und Mensch zur Gottheit geht. Die Bibel ist ein Glaubensbuch, das die Welt deutet, sie ist kein Lehrbuch im naturwissenschaftlichen Sinn
Literatur:
J. Scharbert: Die neue Echter Bibel, Kommentar
zum AT, Gen 1-11
Gottes Verheißung an Abraham - die Landverheißung
Bei der Gotteserscheinung von Sichern wird die Verheißung an Abraham um ein wesentliches Element erweitert, das künftig nicht mehr fehlen wird: die Verheißung des Landes (Gen 13,14-15; 15,18-21; 17,8; 26,4; 28,4.13; 35,12) und zahlreicher Nachkommenschaft. Daraus ergibt sich unter anderem ein geschichtliches Problem.
Aus welcher Zeit stammt die Landverheißung? Wirklich schon aus der Zeit des Abraham? Oder erst aus der Zeit, da Israel im Land seßhaft geworden war? Der Wortlaut gibt keine Antwort, denn der ist ziemlich sicher aus der späteren Zeit. Man habe später, so vermuten einige, die eigene Gegenwart als Prophetie in die Vergangenheit zurückprojiziert. Der historische Abraham habe als Nomade kaum ans Seßhaftwerden gedacht.
Eine solche Skepsis scheint übertrieben. Zwar haben Nomaden für Seßhafte oft nur Verachtung übrig; aber es ist keineswegs erwiesen, daß Abraham diese Verachtung geteilt hätte. Zu seiner Zeit und vorher sind viele Nomaden seßhaft geworden und haben Städte und Reiche in Besitz genommen, andere blickten mit hungrigen Augen aus der kargen Steppe auf das blühende Land der Bauern und Städter. Stammvater nicht nur einer großen Familie, sondern eines Reiches zu werden, hätte schon am natürlichen Erwartungshorizont des Abraham liegen können. Bemerkenswert wäre dann weniger, daß Abraham glaubte, sein Gott habe ihm ein Land verheißen; erstaunlich wäre vielmehr, daß seine Leute auf eine solch nachhaltige Weise dieses Ziel erreichten, daß heute noch die Tagespolitik davon abhängt.
Das Land Kanaan war den Erzvätern von Gott verheißen und zugeschworen. Daher wird es das „gelobte“ Land genannt. Es war nicht durch Leistung erworben oder durch Eroberung erbeutet, sondern durch Gottes ursachlose Bestimmung zugeteilt. Erst auf Grund dieser Zuteilung wurde es dann in Besitz genommen. Diese Auffassung des Erbes wurzelt in der alttestamentlichen Erfahrung des die Geschichte des Menschen konkret bestimmenden Gottes, der jedem sein Teil gibt. Es wird unter Erbteil im Alten Testament wesentlich der Landbesitz verstanden, der ein bleibender und auf die Sohne zu vererbender Besitz sein soll und geschützt ist durch das 10. Gebot und das Gesetz des Jubeljahres Lev 25, vgl 1 Kön 21,3. In vergeistigter Frömmigkeit wird Israel als Erbe Gottes bezeichnet (Ps 28, 9), ja Jahwe selbst wird das Erbteil genannt (Ps 16,5).
Im Neuen Testament ist Jesus Christus als der Sohn der Erbe des Weinbergs (Mk 12, 1-12). Die Seinen sind als in die Sohnschaft Versetzte Miterben Christi. Das Erbe wird ein eschatologischer Begriff, an dem die Kinder und Söhne des Reichs Anteil haben, eine Verheißung, die im Hebräerbrief angeschlossen wird an die Verheißung, die den Vätern geschehen ist und auf die sie warteten durch Glauben und Geduld (Hebr 6, 12) Das unvergängliche Erbe (1 Petr 1, 3) wird in Offb 21, 7 in dem himmlischen Jerusalem, in dem neuen Himmel und in der neuen Erde, wo kein Leid und kein Tod mehr ist, dargestellt und den Überwindern verheißen.
Literatur:
Diego Arenhoevel:
Erinnerung an die Väter, Genesis 12-50; Katholisches Bibelwerk
Friedrich Hauss:
Konkordanz biblischer Begriffe, Hänssler
Landnahme
Die Berichte über die
Landnahme erzählen vom Einzug Israels ins Gelobte Land.
Sie gehen von vier
Tatsachen aus:
1) Der Besitz
des Landes
2) Gliederung
in Stämme
3) Erinnerung
an Gottes Führung beim Auszug aus Ägypten
4) Historische
und geographische Einzelerinnerungen
Die Schreiber der Bibel versuchen, die Landnahme im Rahmen eines Schemas zu schildern. Sie soll zum Beispiel als Sache aller Stämme dargestellt werden (vgl. Jos 1-12; dagegen Ri 1). Die verschiedenen Einzelaktionen der Landnahme waren nicht durchweg Eroberungen, sondern zum Teil friedliches Einsickern von Nomadenstämmen in schwach besiedelte Gebiete (Weidewechsel; Ausweitung des Ackerbaus und dabei langsame Änderung der mitgebrachten Zivilisation). Dicht besiedelte Gebiete wurden zunächst nicht eingenommen (vgl. Ri 1,27-35). Man muß damit rechnen, daß die Landnahme-Zeit für einige Stämme eine Zeit fronender Abhängigkeit bedeutete (vgl. Gen 49,14 f). Vielleicht saßen auch schon einige Stämme im Land und wurden nachträglich in die 12-Stämme-Gemeinschaft aufgenommen. Außerdem gab es kriegerische Eroberungszüge. Dabei ist zum Beispiel der Bericht über die Eroberung von Ai eine Ätiologie ohne historische Aussagekraft.
In der Landnahme-Tradition kommt kein Gesamtbild aller Stämme zum Ausdruck: mehr als das erste Drittel des Buches Josua beruht wohl auf Traditionen des Stammes Benjamin. Auch haben sich im Land noch Veränderungen ergeben: zum Beispiel wechselte ein Stamm nochmals den Wohnplatz, ein anderer zerfiel in mehrere Stämme, ein dritter ging in einem anderen Stamm auf und verschwand also. Um den auffällig konfliktlosen Übergang zur Seßhaftigkeit zu erklären, der sich sowohl in den Erzvätersagen wie im archäologischen Befund spiegelt, wird in den letzten Jahren eine ganz andere Erklärung vorgebracht: Nicht Kleinviehzüchtern aus den überall am Rande des Kulturlandes zwischen dem Zweistromland und Ägypten umherwandernden Nomaden sei hier der Übergang zur Seßhaftigkeit gelungen. Der Siedlungsaufschwung am Anfang der Eisenzeit sei vielmehr darauf zurückzuführen, daß die unterdrückte bäuerliche Unterschicht kanaanäischer Städte den Frondienst verweigert habe und in die Freiheit des Gebirges ausgewichen sei. Im Widerstand gegen die Herrschaft der Oberschicht sei es ihnen gelungen, eine neue Form des Miteinanderlebens zu finden: die egalitäre Gesellschaft. Aus der geschichteten Gesellschaft der Städte seien sie ausgezogen in die neuen Dörfer, in denen jeder gleich viel galt. Haben bei dieser Theorie moderne utopische Vorstellungen vom Aufstand der Unterdrückten, der zur idealen Gesellschaftsform führt, Pate gestanden? Eine Gesellschaft, in der die Familie die größte denkbare Gliederung ist, ist nicht „egalitär“. Auch in den Sippen gibt es Untergeordnete: Frauen, Kinder, jüngere Söhne, Knechte.
Am meisten spricht gegen diese Theorie, daß im Alten Testament keine Erinnerung an diesen Aufstand erhalten ist. Ihre Verfechter halten es für möglich, daß in der Königszeit, als in Israel kanaanäische Lebensform staatlich gefördert wurde, eine solche Erinnerung unterdrückt worden sei. Doch das Alte Testament gibt manche deutliche Kritik am Königtum wieder, warum sollte dann gerade ein so überzeugendes geschichtliches Argument zum Schweigen gebracht worden sein?
Ein Ausschnitt aus der Geschichte Israels:
Saul, der erste König
Spannend ist die Geschichte Israels, wie sie uns die Bibel berichtet. Wir lesen von Kampf, Sieg und Niederlage, den Wechsel von Aufstieg und Niedergang. Um die Erzählungen aber richtig zu verstehen, empfiehlt sich, parallel zur Bibel auch einmal ein Buch über die Geschichte Israels zu lesen, die uns etwa den Hintergrund für die politische Königsmacht des ersten Königs erschließt.
Das Reich Sauls konnte nicht bestehen. Die Übermacht der hereinbrechenden Seevölker, die aus dem Norden gekommen sind und seit fast zwei Jahrhunderten versucht haben, im östlichen Mittelmeerraum Fuß zu fassen, ist groß. Mit der kultischen Demonstration seiner Königswürde allein konnte Saul die Grenzen des Landes nicht mehr sichern.
Es kommt zum Kampf. Die Philister ziehen von den Küstenstädten aus ins Landesinnere und haben Israel fast völlig unterworfen. Die Bibel erzählt, daß die Israeliten zu ihrer Ermutigung die Heilige Lade ins Feldlager überführt haben, um mit Gottes Hilfe den Sieg zu erringen. Doch sie unterliegen, und das Bundesheiligtum fällt in die Hände der Feinde. Die Philister besetzen das ganze Land, verbieten den Israeliten das Schmieden, so daß diese weder Waffen noch Werkzeuge herstellen können. Die Niederlage ist vollkommen. Der Tempel in Silo ist völlig zerstört worden. (Jeremia 7,12-14 und 26,6-9) Das ist auch archäologisch bewiesen. Saul greift da und dort im Lande die Besatzungsposten der Philister an. Besonders sein Sohn Jonathan tut sich bei diesen Guerillakämpfen hervor. Die Macht der Philister wird durch Sauls Kleinkrieg empfindlich gedämpft. Daher sammeln die Philister alle ihre Kräfte und rücken gegen den König vor. Ein einziger Angriff genügt, um Saul vernichtend zu schlagen. Er und seine drei Söhne fallen auf dem Schlachtfeld (1. Samuel 31,2 ff. und 1. Chronik 10,6). Die Israeliten jenseits des Jordans verlassen angesichts dieser totalen Niederlage ihre Städte und fliehen. Die Philister besetzen die verwaisten Ansiedlungen und wohnen darin.
Die Sieger schlagen dem Leichnam König Sauls den Kopf ab und führen ihn als Siegestrophäe durchs Land. Sie legen seine Rüstung in den Tempel der Agerat. Seinen Körper pfählen sie auf der Mauer der Stadt Beth-Shean. Als die Bevölkerung der Stadt Jabes Kunde von diesen Ereignissen bekommt, gehen einige Männer des Nachts, um die Leiche des Königs zu bergen. Sie begraben den König in Jabes unter dem heiligen Baum, wie Debora, die „Amme der Rebekka“ begraben worden ist, und sie fasten sieben Tage (1. Samuel 31,11 ff.). Bäume stehen nach matriarchalem Glauben am Tor zum Jenseits. Sie sind der heilige Ort der Göttin, an dem die Wiedergeburt Ereignis werden wird.
Saul ist Israels König auf der Grenze zwischen Kultkönigtum und politischer Königsmacht. Noch ist er der archaische Priesterkönig, der den Kult selbst versieht. Er bringt seinem Gott Brandopfer und Dankopfer dar (1. Samuel 13,9 ff.). Doch der mit dem Königtum rivalisierende Anspruch der Priester bestreitet des Königs Kultrecht. Nicht der König darf die heiligen Opfer darbringen, sondern allein der Priester. Saul wird zum Verworfenen, weil er sich die kultische Würde angemaßt hat: „Du hast nicht gehalten des Herrn, deines Gottes, Gebot. Er hätte dein Reich bestätigt über Israel... nun aber wird dein Reich nicht bestehen.“ (1. Samuel 13,13 f.)
Literatur:
Bibel: 1. Samuel 9,2-31,13
Antonius H. J. Gunneweg: Geschichte Israels bis Bar Kochba,
Kohlhammer
Martunus Arianus Beek: Geschichte Israels von Abraham bis Bar
Kochba, Kohlhammer
Gerda Weiler: Das Matriarchat im Alten Israel
David, eine geschichtliche Persönlichkeit
Nach dem Tod König Sauls schafft David aus dem ohnmächtigen, zersplitterten Stämmebund den Großstaat Israel, dessen Grenzen er weit über die bisherigen Stammesgebiete ausdehnt. Der Mythos stellt David in den Mittelpunkt der Geschichte seines Volkes: Doch der Aufstieg zum König erfolgte in schwieriger Zeit und auf Umwegen.
Herren im Lande waren die Philister. Unter dem Druck der Besatzungsmacht kamen die gesellschaftlichen Ordnungen ins Wanken. In zermürbendem Kleinkrieg griff die Bevölkerung immer wieder einzelne Posten der Philister an. Im Gegenzug zerstörten die Soldaten die Felder der Bauern. Existenzen wurden vernichtet. Entwurzelte Menschen zogen raubend, plündernd und vagabundierend durchs Land. Im westjordanischen Gebirge sammelte David „eine Schar abenteuernder Elemente um sich, mit denen er von allerlei Beutezügen lebte... David war damit zum Condottiere geworden, zum Berufskrieger, dem das Kriegshandwerk zum Lebensinhalt wurde.“ In der Lutherübersetzung heißt es: „Und es versammelten sich zu ihm allerlei Männer, die in Not und Schulden und betrübten Herzens waren; und er war ihr Oberster, daß bei vierhundert Mann bei ihm waren.“ (1. Samuel 22.2)
Ein moderner Theologe übersetzt: „… lauter Männer, die unter Druck standen, sowie allerlei Männer, denen ein Gläubiger zu schaffen machte, und lauter Verbitterte.“ (Hertzberg) Und er kommentiert dazu: „… allerlei unzufriedene und verwegene Gesellen, die irgendeinen Grund haben, den heimatlichen Verhältnissen zu entweichen, und die, um einen Führer wie David geschart, eine gefährliche Bande bilden konnten.“ Martin Noth, ein großer Exeget, sagt, David sei kein Eigenname, sondern ein Fremdwort für „Truppenführer“ oder„Befehlshaber“. Davids wirklicher Name sei unbekannt; erst durch den zum König des Großreiches Israel aufgestiegenen „dawidum“ sei „David“ zum Eigennamen geworden. Besonderes Draufgängertum zeichnet Davids Helden aus. Sie haben sich alle durch riskante Mutproben bewiesen. Dazu bieten die Plänkeleien mit den philistäischen Posten überall im Lande reichlich Gelegenheit. Von dem Helden Eleasar wird erzählt: „Da stand er und schlug die Philister, bis daß seine Hand müde am Schwert erstarrte, und der Herr gab großes Heil zu der Zeit, daß das Volk umwandte ihm nach, zu rauben.“ (2 Samuel 23.10)
Es mag verständlich sein, daß die unter dem Besatzungsdruck stöhnenden Israeliten dem Helden nachstürmten, um zu rauben. Sie mögen ihren Raubzug auch als Heil in der Not empfunden haben. Der biblische Kommentar geht noch ein Stück weiter: „Besonders wichtig ist, daß... gesagt wird, der Herr habe großes Heil durch diese Taten bewirkt. Damit rücken (die Helden) in die göttliche Heilsökonomie ein. Es handelt sich ... nicht bloß um tapfere Männer, „Helden“ im gewöhnlichen Sinn, sondern um Kämpfer im Heiligen Krieg, deren kriegerische Betätigung besonders gewertet wird.“ Widerstandskampf gegen fremde Willkürmacht wird zu allen Zeiten ethisch hoch eingestuft. Die Bibel nennt einen Mann namens Benaja, „berühmt unter den Helden und herrlicher denn dreißig andere“, weil er einen angesehenen Ägypter auf der Straße überfallen hat: „Er riß dem Ägypter den Spieß aus der Hand und erwürgte ihn mit seinem eigenen Spieß.“ (2 Samuel 23.21)
Wollen Sie mehr über David wissen, lesen Sie in der Bibel 1 Samuel 16,2 - 1. Könige 2
Literatur:
Antonius H. J. Gunneweg:
Geschichte Israels bis Bar Kochba, Kohlhammer
Martinus Arianus Beek:
Geschichte Israels von Abraham bis Bar Kochba, Kohlhammer
Gerda Weiler: Das Matriarchat im
Alten Israel
Text 32 vom 08. September 2006
Der Glaube an eine Gerechtigkeit
„Ich werde deine Rache an ihnen erleben, denn dir habe ich
meine Sache anvertraut.“
(Jer 20,12)
Propheten sind Menschen, die von Gott in besonderer Weise und unmittelbar ergriffen sind. Die biblischen Traditionen erinnern uns aber bei fast jeder dieser Gestalten nachdrücklich daran, daß sie Menschen waren, das heißt geplagt von Unsicherheit und Zweifel, Verdruß und Frust, Überforderung und Depression. So erging es auch Jeremia, von dessen Folterung in Jeremia 20 berichtet wird. Der Abschnitt der heutigen Lesung ist ein Klagepsalm des Propheten, das letzte der sog. Bekenntnisse (confessiones), die Jeremias schreckliche Erfahrungen mit den Machthabern seiner Zeit, vorab König Jojakim, reflektieren dürften. Am liebsten würde er aufhören, im Namen Gottes Verbrechen und Unterdrückung anzuprangern, denn er trägt nur das Gespött und den Zorn der Leute davon. Und doch kann er seine Botschaft nicht für sich behalten, weil es ihn sonst inwendig verbrennt. So tröstet sich Jeremia damit, daß er einen machtvollen Auftraggeber hat, der Gerechtigkeit herstellen wird. Die Verfolger des Propheten werden zu Fall kommen, und Jeremia glaubt daran, daß er das noch erlebt. Diesen Glauben an eine Gerechtigkeit vor dem Tod finden wir auch bei den bedrängten Beterinnen vieler gewöhnlicher Klagepsalmen. Sie alle vertrauen auf einen Gott, der „das Leben des Armen aus der Hand der Übeltäter errettet“ (20,13). Von dieser Warte her gesehen ist der Gott des Ersten Testaments kein rachelüsterner Schläger, sondern der Trost und Beistand derer, die keine Schlagkraft haben. Und an genau diesen Gott, der eine Gerechtigkeit vor dem Tod will, glaubten auch Jesus und die frühen christlichen Gemeinden.
Das Griechentum versteht unter Gerechtigkeit Tugendhaftigkeit und schreibt diese Tugendhaftigkeit der eigenen Leistung des Gerechten zu. Im Alten Testament ist Gott der, der das Recht setzt und seinem Recht in Urteil und Gericht verbunden bleibt. Gottes Tun ist fehlerlose Gerechtigkeit (Dtn 32,4). Das Verhältnis Gottes zum Menschen und des Menschen zu Gott und zu den Menschen wird im Blick auf Gottes Gerechtigkeit und Gericht gesehen. Daß Gott gerecht ist, ist Glaubensgut und Ausdruck bedingungslosen Vertrauens in den sittlichen Willen Gottes, kraft dessen Gutes besteht und Normwidriges dem vernichtenden Urteil Gottes verfallen muß. Gerecht ist der, der vor dem Urteil Gottes bestehen kann. Das Neue Testament lebt ganz im Begriff der Gerechtigkeit des Alten Testaments, aber es überbietet ihn. Gott ist gerecht. Offenb 16, 5; 16,7; 19,2. Er erweist sich als gerecht, indem er die Sühnetat des Opfertodes Jesu Christi vollbringt. Das Neue erweist sich in der absoluten Bindung an den Sühnetod Christi, in dem sich Gott als den Gerechten erweist. Röm 3, 26; 1 Joh 1, 9.
Literatur:
Silvia Schroer: Glücklich, wer
Lust hat an der Weisung JHWHs, Kanisius
Friedrich Hauss: Konkordanz
biblischer Begriffe, Hänssler
Rache, nach der Bibel betrachtet
„Rache“ bezeichnet das Bestreben, sich selber außergerichtlich Recht zu verschaffen, aber auch die aus diesem Bestreben heraus geschehenden Taten, die sog. Racheakte. Wer Rache übt, übt Privatbestrafung und reißt Vollmachten irdischer und göttlicher Justiz an sich.
Der Begriff in der Bibel
Menschliche Rache bis hin zur Blutrache ist dem AT
wohlbekannt. Das zeigen schon die ausführlichen Anordnungen über Freistädte, die
einem Totschläger bis zur Gerichtsverhandlung Schutz vor dem Bluträcher gewähren
sollen (Num 35,6ff; Dtn 19,1ff). In ihnen wird aber auch ein entschlossenes
Bestreben sichtbar, private Rache einzudämmen und durch das Handeln der
ordentlichen Gerichtsbarkeit zu ersetzen. Ein Rechtsgrundsatz wie das bekannte
„Auge um Auge, Zahn um Zahn...“, (Ex 2,21,23ff; Lev 24,20) gebietet nicht Rache,
sondern schränkt sie vielmehr ein; er stellt eine Verhältnismäßigkeit her
zwischen Vergehen und Vergeltung. Ungezügelter Rachedurst wie der des
Kainsnachkommen Lamech (Gen 4,23f) wird durch das Gotteswort in die Schranken
gewiesen. „Die Rache ist mein, ich will vergelten“ (Dtn 35; Röm 12,19). Jesus
setzt gegen die schrankenlose Rache die schrankenlose Vergebung. Dem Petrus, der
ihn fragt, ob siebenmaliges Vergeben denn nicht reiche, antwortet er: „Ich sage
dir, nicht siebenmal, sondern siebenzigmal siebenmal“ (Mt 18,21f; vgl. Lk
9,51ff).
Gott beansprucht für sich allein das Recht, Rache auszuüben (Dtn 32,35; Ps 94,1; Nah 1,2; 1 Thes 4,6; Röm 12,19). Sie ist somit etwas Heiliges; wer Gott vorgreifen will, versündigt sich schwer (1 Sam 24,10ff). Wohl aber kann ein Mensch mit der Vollstreckung der Rache Gottes beauftragt werden (Dtn 25,17ff; 1 Sam 15,1ff; Ex 32,25ff; Num 25; Apg 5,1-11). Menschen rufen Gott an mit der Bitte um Rache und stellen damit die Furcht Gottes über das eigene Gerechtigkeitsverlangen (Ps 7; 43,1; 143,11f; Offb 6,9f). - Sofern die Bibel also von Gottes Rache spricht, steht die Gewißheit seiner Gerechtigkeit und Treue immer im Hintergrund! Er eifert für sein Volk; er setzt das Recht dessen durch, der sich selber nicht zum Recht verhelfen kann oder will.
Der Begriff heute
„Rache ist süß“. Das menschliche Urbedürfnis nach Rache wurzelt zumindest
teilweise in dem Antrieb, sich selbst zu behaupten und durchzusetzen. Dazu kann
auch gehören, daß ich mir „mein Recht“ selbst verschaffe - spontan oder listig
planend, gewaltsam oder leise bohrend. Sehr schnell wird dann die Willkür des
einzelnen Gesetz („Sein Gesetzbuch war der Colt...“) und Gemeinschaft zerstört.
An der Erörterung der biblischen Wertung der Rache zeigte sich, wie ernst diese
Gefahr zu nehmen ist. Rache im zwischenmenschlichen Bereich ist
unverantwortliches Handeln und bei uns schon lange durch das Wirken der
ordentlichen Gerichtsbarkeit ersetzt. In unserer Zeit ist auch sehr klar erkannt
und vom Gesetzgeber übernommen worden, daß das Strafrecht sich nicht am
Rachegedanken orientieren darf. Persönlich auf Rache verzichten, ist aber oft
schwer. Zu tief sitzt die Angst, daß der als Feigling oder Schwächling dastehen
könnte, der nicht zurückschlägt. Groß ist die Sorge, ich könnte dann sogar als
Schuldiger angesehen und um „meinen Rechtsanspruch“ gebracht werden. Der Glaube
kann einen Menschen aber dahin bringen, daß er bekennt: „Du führst, Herr, meine
Sache und erlöst mein Leben“ (Kla 3,58). Wenn Gott die Rache für sich
reserviert, dürfen wir daraus nicht einen rachedürstenden Gott machen. Wir
sollen darauf vertrauen, daß Gott sich zum Anwalt derer macht, die im Vertrauen
auf ihn Rache ablehnen. Es ist die Gewißheit seiner väterlichen Fürsorge und
Treue, die allein meine Angst, zu kurz zu kommen, überwindet und in Feindesliebe
umwandelt (Jak 5,7; Mt 5,38-48). Wer einem Christen Unrecht tut, greift damit
Gott selber an; also: „Betet für die, die euch verfolgen!“ (Mt 5,44; vgl. Lk
23,34). Der Teufelskreis von Rache und Vergeltung findet sein Ende an der
Feindesliebe, die in der Nachfolge des Gekreuzigten erbeten und geübt wird von
Kindern des treuen Vaters im Himmel, die selber ja nur aus Gnade und Vergebung
leben.
Literatur:
Fritz Grünzweig u. a.: Biblisches Wörterbuch, R.
Brockhaus
Fluch / Verfluchen
„Fluch" ist in der Bibel allgemein das „schlechte“, und „böse Wort“, das anderen Menschen Schaden zufügen soll. Obwohl dabei keine Gewalt angewendet wird, bleibt es nie wirkungslos. Nach alter Auffassung wirkt der Fluch unwiderruflich, unbedingt und zeitlich unbegrenzt.
In der Bibel ist allerdings immer Gott der Herr des Fluchs und Fluchens. Der Fluch wirkt nur dann, wenn er es will; er kann einen Fluch aufhalten oder ins Gegenteil wenden (vgl. Num 22-24). Im Alten Testament gibt es für das „böse Wort“ eine Reihe von unterschiedlichen Begriffen. Die zwei wichtigsten seien herausgegriffen: Der eine Begriff, „quallel“, steht an vielen Stellen im Gegensatz zu „ehren“, „anerkennen“, bzw. „Ehre“ und nur selten im Gegensatz zu segnen. Er bedeutet ursprünglich: „Jemanden geringschätzig behandeln“, „verächtlich machen“, und zwar durch Beschimpfung, üble Nachrede und Lästerworte (vgl. Gen 16,4f; 1 Sam 2,30; Ri 9,27). Als der König David vor seinem Sohn Absalom in die Wüste fliehen muß, kommt Simei, ein Mann aus der Verwandtschaft des toten Saul, auf ihn zu, bewirft den König mit Steinen und beschimpft ihn: „Hinaus, hinaus, du Bluthund, du ruchloser Mann.“ Durch diese Schimpfreden will er den König wirklich klein machen und dessen Kraft lähmen (vgl. 2 Sam 16.5-14). Solches Verhalten gegenüber von Gott eingesetzten Respektspersonen ist im atl. Recht bei Todesstrafe verboten (vgl. Ex 21,17; Ex 20.12; Spr 20,20; Dtn 27,16; Spr 30,17). Unverzeihlich ist erst recht ein solches Verhalten gegenüber Jahwe: „Wer seinen Gott schmäht, soll seine Sünde tragen, wer den Namen Jahwe lästert, soll getötet werden“ (Lev 24,15: vgl. 1 Sam 3,13). So wird Gottes Gottsein nicht ernst genommen, seine Ehre in den Dreck gezogen, sein Ansehen ausgehöhlt. Dies ist deshalb so unerträglich, weil Gott gerade den Niedrigen und Elenden annimmt, und sich den Verachteten zugewendet hat (vgl. Ex 3,7ff). Der andere Begriff, „arär“, steht im Gegensatz zu segnen und geht dementsprechend auf zwei Grundbedeutungen zurück.
Fluchen bedeutet
a) „jemanden
aus der Gemeinschaft ausschließen“. Jemand, der sich gemeinschaftsschädigend
verhalten hat, wird mit der Fluchformel „Verflucht bist du“ aus der Gemeinschaft ausgestoßen (Gen 4,14a;
4,11a; Jos 6,26). Das hatte ursprünglich verheerende Auswirkungen für den
Betroffenen. Er war von jetzt an ohne Schutz, rechtlos, vogelfrei und damit dem
Untergang ausgeliefert. Wer ihn aufnimmt, zieht selbst den Fluch auf sich. Fluch
bedeutet
b) die Lebenskraft vermindern, bzw. die Lebensqualität herabsetzen. Das
trifft jemanden als Unglück in seinem Lebensbereich: „Verflucht bist du in
deiner Stadt, verflucht auf dem Acker, verflucht dein Korb und dein Backtrog;
verflucht die Frucht deines Leibes und der Ertrag deines Ackers“ (Dtn 28,16-18); die Wirkungen des Fluches
zeigen sich etwa in Dürre, Hunger und Krankheiten (0ff 28,2).
c) Beide
Grundbedeutungen sind in zentralen Abschnitten des AT miteinander verbunden, z.
B. in der Urgeschichte (Gen 3-11). Hier verflucht Jahwe, und zwar zuerst die
Schlange „weg von den Tieren des Feldes“ (3,14). Sie wird aus deren Gemeinschaft
ausgeschlossen. Dann wird der Acker vom Fluch Jahwes getroffen: „Verflucht ist
der Acker um deinetwillen“, (um des Menschen willen; 3.17). Daraufhin
trägt er Dornen und Disteln (Minderung der Fruchtbarkeit); nur mit äußerster
Anstrengung wird der Mensch ihm Nahrung abgewinnen. Indirekt trifft also der
Fluch den Menschen. Auch die Vertreibung aus dem Paradies bedeutet Fluch, obwohl
das Wort in diesem Zusammenhang nicht gebraucht wird (3,23f). Jetzt ist der
Mensch aus der engen Lebensgemeinschaft mit Gott ausgeschlossen. Ausgesprochen
wird dies auch gegenüber dem Mörder Kain: „Verflucht bist du von der Ackererde
hinweg“ (4,11). Er ist damit nicht nur isoliert von
freien Menschen, geächtet und vogelfrei (V.14b), sondern auch von Gott getrennt
(14a.16) und verstoßen. Mit den anderen Stellen zusammen (vgl. 5,29; 8,21; 9,25)
wird hier beispielhaft gezeigt, daß die ganze Menschheit unter dem Fluch steht.
Allerdings ist keiner unschuldig, im Gegenteil. Obwohl der Mensch mit allem
Nötigen und Schönen reichlich versorgt ist (2,8-25), mißtraut er seinem Schöpfer
und will sein wie Gott, d.h., will selbst entscheiden, was für ihn nützlich und
schädlich ist, selbständig sein, selbst bestimmen (3,1-7). Damit sagt er sich
von Gott los, kündigt selbst die Gemeinschaft mit dem gütigen Gott. So schreibt
der Fluch Gottes eigentlich nur fest, was der Mensch von sich aus in die Wege
geleitet hat: Die Trennung vom Schöpfer. Die verheerenden Folgen muß er nun
selbst tragen.
d) Nur der Schöpfer selbst kann diesen schlimmen Zustand mildern
oder sogar aufheben. Schon die Urgeschichte berichtet überraschend, daß er
wirklich damit begonnen hat. Er schützt z.B. den Brudermörder Kain vor der
Rachgier der anderen (4,15): er bewahrt Noah vor dem Untergang in der Sintflut
(6,5f) und verspricht danach, trotz der Sünde die Erde nicht mehr zu verfluchen
(8,22, d.h. hier: „vernichten“). Mit der Segensverheißung an Abraham (Gen
12,1-3) aber kündigt er ganz Neues an. Er will den Fluch aufheben und endlich
einmal alle davon befreien. Das Volk Israel darf im Laufe seiner Geschichte
schon die Anfänge erfahren (vgl. z.B. Num 22-24). Allerdings kann man jetzt
nicht einfach drauflossündigen! Gerade weil Gott so gütig ist, ist der Bruch mit
ihm unentschuldbar. Wer ihn links liegen läßt, wer seine Gebote in den Wind
schlägt, wer auf andere Hilfe vertraut, gerät unter die Gewalt seines Fluches:
„Verflucht der Mann, der auf Menschen baut, der sich selbst für seine Stärke
hält und dessen Herz von Jahwe weicht.“ (Jer 17,15). Dies zeigt vor allem das Fünfte
Buch Mose (Dtn 27-28): Die verheerenden Wirkungen des Fluchs bekommt der
einzelne (27,15-26) oder das ganze ungehorsame Volk zu spüren (28,15ff). Dann
heißt es: „Ich will es zum Fluch machen, zum Grauen, zum Hohn und zum Spott
unter allen Völkern, wohin ich sie verstoßen werde." (Jer 29.19; Jer 42,18; Jer
44,12).
Literatur:
Fritz Grünzweig u.
a.: Biblisches Wörterbuch, R. Brockhaus
Die Bibel - einmal statistisch betrachtet
Die 10 längsten Bücher der Bibel:
1Zählung nach der revidierten Elberfelder Bibel. Bei
anderen Übersetzungen variiert natürlich die Zahl der Worte. Die Angabe ist also
nur ein Annäherungswert.
2Dies bezieht sich nicht auf die Nennung der
Verfassernamen, sondern auf Zitate aus den entsprechenden Büchern.
Quelle:
H. I. Wilmington:
Begriffskonkordanz, Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg
Ende
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