Brauchtum


Brauchtum und Aktivitäten
in der Pfarrei St. Josef der Arbeiter


Bereits in der Anfangszeit unserer Pfarrei gab es verheißungsvolle Ansätze für ein am Kirchenjahr orientiertes Brauchtum, bzw. für Manifestationen der Volksfrömmigkeit. Zu letzteren ist die erste Lichterprozession im Oktober 1956 zu zählen, an der sich nahezu alle Siedler beteiligten. Ihr Eindruck war derart überwältigend, dass sie im Laufe des Monats mehrmals wiederholt wurde. Solche "inflationäre Häufung" vertrug diese Glaubenskundgebung offenbar nicht, weshalb man in den folgenden Jahren darauf verzichtete. Erst in letzter Zeit lebte dieser Brauch wieder auf und hat Chancen, sich einzubürgern.

Ebenfalls 1956 versammelten sich zahlreiche Siedler mit ihren Kindern am Spätnachmittag des Heiligen Abends um einen zwischen Dekan-Weiß-Straße und Kirche aufgestellten Weihnachtsbaum, unter dem Schulkinder die Herbergsuche sangen und spielten. Sie gestalteten auch die Vormette kurz vor Mittemacht in der Kirche, bis später der Kirchenchor diese Aufgabe übernahm. 1959 fand in der Aula des Seminars ein erstes Adventssingen statt, das später von Franz Mayrhofer jr. aufgegriffen und zur regelmäßigen Einrichtung wurde. Da die Inhalte weitgehend mit denen der Vormette identisch waren, verzichtete man schließlich auf letztere. Siedlerweihnacht und Vormette wurden gleichsam vereinigt und haben bis heute als Kindermette einen festen Platz in der Gemeinde.

Im Advent 1957 führte der damalige Pfarrkurat Andreas Gruber erstmals ein Frauentragen durch. Der Brauch schien mit der Versetzung des Geistlichen erloschen zu sein, wurde aber vom derzeitigen Pfarrer Elmar Heß wieder aufgenommen und erlebt eine neue Blüte.

Träger der frühen Adventsingen war die Brauchtumsgruppe der DJK WALDRAM, heute werden sie fast ausschließlich von Mitgliedern der Familien Brustmann und Mayrhofer gestaltet. Die Brauchtumsgruppe hat sich inzwischen dem ländlichen Volkstheater verschrieben und erfreut alljährlich zahlreiche Zuschauer in hintergründig humorvoller Weise. In der Woche vor Dreikönig 1957 gingen bei uns die drei Weisen von Haus zu Haus und sangen zugunsten der damals äußerst spärlich ausgestatteten Volksschule. Dieser Brauch besteht heute noch, hat sich allerdings inzwischen der alljährlich stattfindenden Sternsingeraktion aller deutschen Diözesen angeschlossen.

Entsprechend dem heimatlichen Brauch vieler Siedler zogen im gleichen Jahr von Gründonnerstag bis Karsamstag die Ratschenbuben durch Waldram. Ihr hölzerner Lärm ersetzte die verstummten Kirchenglocken.

Dieser Brauch wurde eingestellt, als die Liturgiereform den Gründonnerstagsgottesdienst auf den Abend und die Feier der Auferstehung auf den Ostersonntagmorgen verlegte.

1958 wurde in Waldram der erste Maibaum aufgestellt. Inzwischen grüßt der neunte Nachfolger dieses Zeichens der Verbundenheit mit dem bayerischen Oberland die Waldramer und ihre Gäste. In der Anfangszeit unserer Pfarrei waren auch Bittgänge üblich, an denen sich neben den Schulkindern zahlreiche Gläubige beteiligten. Der damals noch geringe Verkehr ließ Prozessionen bis Degerndorf und Puppling zu. Diese Tradition wird vom Seminar weitergeführt, wobei auch die Pfarrangehörigen zur Teilnahme eingeladen sind.

Die Fronleichnamsprozession war lange ein nach außen sichtbarer Höhepunkt des Kirchenjahres, eine gemeinsame Glaubensdemonstration von Gemeinde und Seminar, bei deren Gestaltung die verschiedenen Gruppen wetteiferten. Die Verlängerung der Pfingstferien hat hier zu einer Verarmung geführt. Trotzdem halten zahlreiche Waldramer an diesem Akt der Bekundung ihres Glaubens fest und begleiten freudig ihren im Brot verborgenen Herrn durch die Straßen.

Gemeinschaftsveranstaltungen förderten anfänglich das Zusammenwachsen. Pfarrkurat Gruber veranstaltete allmonatlich einen gut besuchten Pfarrfamilienabend, dessen geselliger Aspekt in den heutigen Pfarrfesten weiterlebt, der aber auch allen Ansprüchen der Erwachsenenbildung genügte. Diese wird heute vom Pfarrgemeinderat in Zusammenarbeit mit dem Kreisbildungswerk organisiert. Erwachsenenbildung wurde zunächst auch innerhalb privater Zirkel betrieben, z.B. im Hause des Theologen Otto Betz. Als Weiterführung kann das Waldramer Forum, aber auch das Bibelteilen bezeichnet werden.

Zur Gemeinschaftsbildung trugen nicht zuletzt die von der Volksschule veranstalteten Hausmusikabende bei, in denen auf das Mittun aller Anwesenden Wert gelegt wurde. Sie fanden eine Art Fortsetzung in den Konzerten der Waldramer Jugendchöre, nach ihrem Gründer und Leiter auch Sesto-Chöre genannt. Sie bringen sich u.a. in die Meßgestaltung mit ein und genießen weitum einen guten Ruf.

Daneben sind einige Familiengruppen zu nennen, die das Gemeindeleben bereichern. Da bietet die Familie Baumgartl eine Fülle vokaler und instrumentaler Besetzungen, da ist die Familie Mayrhofer, deren musikalische Möglichkeiten mit den heranwachsenden Kindern stetig zunehmen, die aber auch familienliturgische Initiativen anbietet, und es gibt eine Familie Peter, von den Wohnsitzen her inzwischen etwas verstreut, durch die Musik aber immer wieder vereint und im Dienste der Gemeinde stehend. Es kann unmöglich alles angeführt werden, was an Aktivitäten vorhanden ist. Die Vielfalt zeigt jedenfalls, dass es an uns liegt, ob wir nur passive Konsumenten oder aktiv Gestaltende sind. Waldram muss nicht nur Schlafstadt sein. Jeder kann irgendwo mittun oder gar neue Ideen einbringen.

Rudolf Baumgartl


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