Geschichte
Auf dem Weg durch die Zeit -
Die Kirche "St. Josef der Arbeiter" in Waldram
Die Kirche, das Haus des Herrn, hat uns in WALDRAM in besonderer Weise durch die Zeit begleitet. Sie stand uns zur Seite in schweren und in schönen Stunden. Sie gab uns Trost und Hoffnung und Zuversicht. Sie wird uns weiter zur Seite stehen, hoch aufgerichtet zum Himmel der Turm, schützend ihr Dach über uns.
In
der Zeit, als hier von 1940 bis 1945 das "Arbeiterlager Föhrenwald" bestand, gab
es am Ort keine Kirche. Die Nazis ließen so etwas nicht zu. Nach dem Krieg wurde
das Arbeiterlager in ein "Lager für heimatlose Ausländer" (1945-1955)
umgewandelt, in dem überwiegend vertriebene Juden aus den ehemaligen deutschen
Ostgebieten und befreite KZ-Häftlinge aus den aufgelassenen Konzentrationslagern
in Deutschland zusammengefasst wurden.
Die Juden richteten im heutigen Seminar eine Synagoge ein. Im Herbst 1955 wurde die Siedlung Föhrenwald von der Erzdiözese München und Freising käuflich erworben, zuständig für den Ausbau des Lagers in eine Wohnsiedlung war das Katholische Siedlungswerk. Am 07. November 1957 erhielt das Lager Föhrenwald den Namen WALDRAM.
Bevor in Waldram die katholische Kirche und Gemeinde St. Josef der Arbeiter entstand, hatte das katholische Pfarramt in Wolfratshausen die Vorstellung, dass neben der Wolfratshauser Pfarrkirche "St. Andreas" eine zweite Kirche und Pfarrgemeinde aufgrund der Entwicklung der Ortsteile Farchet und Waldram entstehen müsste. Die Kirche sollte nicht in Waldram, sondern in Farchet gebaut werden. Pfarrer Josef Auer von Wolfratshausen sah zunächst vor, in Waldram sonntäglich einen Gottesdienst abzuhalten, vielleicht in einem Schulraum. Die Siedler aber wollten nicht warten, bis die Entscheidung über den Standort der neuen Kirche gefallen war. Zusammen mit dem Verwaltungsleiter Alois Engelhard bauten sie im Dachgeschoß des Hauses Nr. 8 in der heutigen Thomastraße ein großes Zimmer zu einem schlichten Kirchenraum um. Dieser Raum wurde für die Siedler die "Notkirche" in Waldram.
Der Altaraufbau wurde mit 4 Holzleuchtern umgeben, die Rückwand hinter dem Altaraufbau mit 5 roten Tüchern bespannt. Das barocke Altarkreuz, die Altarwäsche, das Messpult, der Teppich vor den Altarstufen, die Altarglöckchen und die Messkännchen gehörten der Pfarrei St. Andreas, Wolfratshausen. 81 Gläubige waren anwesend, als H.H. Pfarrer Josef Auer die erste hl. Messe in dem festlich geschmückten Zimmer zelebrierte.
Eine Woche später wurde im Dacherker des Hauses ein kleines Glöcklein angebracht. Das damalige Kirchenglöcklein ist heute noch als Totenglocke im Waldramer Friedhof zu hören.
Die junge Gemeinde vergrößerte sich rasch. Waren es Ende Mai 1956 erst 86, so zählte man am 31. Juli 1956 bereits 222 Katholiken, denn der Ort Waldram wuchs rasch an.
Die Nachricht von der Möglichkeit, hier preisgünstig ein Einfamilienhaus zu erwerben, verbreitete sich im nahen und weiteren Umkreis sehr schnell. Bereits im Herbst 1955 lagen dem Katholischen Siedlungswerk 280 Bewerbungen aus dem Landkreis Wolfratshausen vor, wenig später sind es mehr als 400 Bewerber aus Deutschland und sogar aus Österreich. Die ersten Siedler bezogen ihr neues Heim im April 1956. Bald waren die 302 Wohneinheiten der Siedlung belegt. Waldram hatte bis Juli 1960 dann 1502 Einwohner.
Das
Ordinariat der Erzdiözese München und Freising beauftragte mit Wirkung vom
l. Oktober 1956 H.H. Andreas Gruber, Direktor des Spätberufenenseminars in
Fürstenried mit der Seelsorge in Waldram und erteilte ihm hierzu die notwendigen
Vollmachten eines Vicarius Substitutus. Unterstützt wurde H.H. Gruber von dem
Katecheten Lorenz Bück und später von Kaplan Franz Niegel. Mittlerweile
entschied sich das Ordinariat für eine Kirche in Waldram, nicht zuletzt deshalb,
weil das Spätberufenenseminar in Fürstenried nach Waldram verlegt wurde. Als
Kirchenraum wurde der ehemalige Speisesaal der Munitionsarbeiterinnen, der in
der Zeit des Judenlagers Synagoge war, unter der Leitung der Bauräte Frank und
Berchtold in ein schlichtes Gotteshaus umgestaltet.
Am 18. November 1956 erfolgte die Benediktion (Segnung, Weihe) durch H.H. Prälat Anton Maier. Die bischöfliche Weihe (Konsekration) fand allerdings erst ein Jahr später statt.
Die
Pfarrkirche von Waldram wurde dem Hl. Josef dem Arbeiter gewidmet. Noch war die
Gemeinde "St. Josef der Arbeiter" eine unselbständige Kuratie. Aber die
Pfarrgemeinde lebte bereits. Im Mai 1957 empfingen in der neuen Kirche 16 Buben
und 20 Mädchen die erste hl. Kommunion. Ende Juli 1957 wurde H.H. Andreas Gruber
offiziell in der Gemeinde Waldram eingeführt.
Am 14. September 1957 empfing die Kirche ihre Kirchenglocken. Am Tag darauf wurden sie in einem festlichen Gottesdienst von Generalvikar Prälat Dr. Fuchs feierlich geweiht.
Als die Pfarrkuratie etwas über zwei Jahre alt war, wurden dem ersten Seelsorger und Direktor des Spätberufenenseminars St. Matthias, H.H. Andreas Gruber, eine andere Aufgabe übertragen.
Sein
Nachfolger wurde mit Wirkung vom 0l. Januar 1959 Pfarrkurat Helmut Rogger.
Es dauerte über sieben Jahre, bis die Pfarrkuratie St. Josef der Arbeiter zur
selbständigen Pfarrei, und ihr Seelsorger Rogger zum Pfarrer ernannt wurde.
Mit Wirkung vom 0l. Januar 1965 wurde die Pfarrkuratie zur Pfarrei St. Josef der
Arbeiter, die Kirche zur Pfarrkirche erhoben. Herr Hans Gremler wurde am 13.
Dezember 1981 als erster ständiger Diakon in Waldram eingeführt. Seine Tätigkeit
in Waldram endete am 31. Dezember 1990.
Pfarrer Rogger, ein einfühlsamer Prediger, verstarb viel zu früh am
23. März 1988 im Alter von 65 Jahren.
Sein
Nachfolger wurde Pfarrer Josef Schinagl. Aber schon nach fünf Jahren verließ er
wieder unsere Pfarrei.
Seit
0l. September 1993 leitet Pfarrer Elmar Heß die Pfarrei St. Josef der Arbeiter.
Bereits zur Zeit des Pfarrers Rogger gab es seitens des Ordinariats Überlegungen, der Pfarrei eine neue Kirche zu bauen. Hintergrund war, das Seminar baulich zu modernisieren und zukunftsorientiert auszubauen. In den Plänen des Ordinariats stand dabei der bestehende Kirchenbau im Wege, und so bot das Ordinariat der Pfarrgemeinde an, ihr eine eigene Kirche zu bauen, denn bisher waren wir in unserer Kirche "Gast des Seminars", Grundstückseigner der Kirche mit Liegenschaft ist die Seminarstiftung St. Matthias.
Schon früh regte sich in Waldram Widerstand gegen die
Pläne des Ordinariats. Auf der anderen Seite wurde der Plan einer eigenen Kirche
für die Pfarrei von vielen Waldramern begrüßt. Am 01. Oktober 1990 beschloss die
Kirchenverwaltung mehrheitlich den Bau eines "Pfarrzentrums mit Pfarrkirche,
Pfarrhaus und Kindergarten". Der Pfarrgemeinderat stimmte dieser Entscheidung
zu. Die Bauarbeiten begannen im Sommer 1996.
Mit der Weihe der neuen Pfarrkirche "St. Josef der Arbeiter" begann ein neuer
Weg unserer Kirche durch die Zeit.
Eugen Steppan
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